Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Ann Elisabeth Auhagen (Hrsg.)
Beltz Verlag Weinheim 2004, 29.90 €
Unter dem Ausdruck Positive Psychologie werden all diejenigen Bemühungen von professioneller Seite verstanden, Ratsuchenden bei einer optimalen Gestaltung menschlichen Funktionierens zu helfen, indem sie sowohl Stärken als auch Defizite sowie Ressourcen und nicht nur Stressoren aus dem Umfeld berücksichtigen. Statt eine Auseinandersetzung mit den „Störenfrieden“ betont die Positive Psychologie insbesondere die guten Aspekte menschlichen Leben und des Miteinanders. Betrachten wir zum Beispiel die Ergebnisse der Depressionsforschung, so hängt der Erfolg einer Therapie vor allem davon ab, inwieweit es gelingt den Patienten Hoffnung zurückzugeben, ihnen zu zeigen, wie sie Kontrolle über ihr Leben gewinnen und zu der Überzeugung gelangen, dass sie Einfluss auf die Dinge des Lebens nehmen können.
Die Herausgeberin konnte namhafte Autoren gewinnen, die mit ihren Beiträgen empirisch fundiert ein Mosaik begonnen haben, den Begriff des Positiven zu füllen: Mitmenschliche Güte, Religiosität und Spiritualität, Vertrauen, Verzeihen, Geborgenheit seien beispielhaft genannt. Einen Geschmack auf das Buch und auf das Thema Positive Psychologie konnte man in der letzten Ausgabe von Beratung Aktuell (4-2004), mit dem Kapitel Gelassenheit, von Dorothea Rahm bekommen. Alle vorgestellten Konzepte zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur eine wissenschaftliche sondern immer auch eine Alltagsbedeutung haben, die in der Psychologie bislang noch wenig beachtet worden ist. Angesichts der Erwartungen von Ratsuchenden an die Tätigkeit von Beratungsstellen aus der EMNID Studie (Saßmann & Klann 2002, S.144), "eine verstärkte Vermittlung sozialer Werte als Antwort auf eine immer stärker werdende Ich-Bezogenheit sowie die Unterstützungen und Integration Kranker und Behinderter in die Gesellschaft..." bietet das vorliegende Werk eine Fülle an Anregungen zur Einflussnahme von institutionellen Beratungsstellen - die ja von und für die Gesellschaft vorgehalten werden - auf die Art des Miteinanders in unserer. Postmoderne.
Saßmann, H. & Klann, N. (2002): Es ist besser das Schwimmen zu lehren als Rettungsringe zu verteilen. Beratungsstellen als Seismographen für Veränderungen in der Gesellschaft. Freiburg: Lambertus.
Dr. Rudolf Sanders
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