Besprechung
aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung,
Junfermann Verlag Paderborn
Dietmar Schulte, Klaus Grawe, Kurt Hahlweg &
Dieter Vaitl (Hrsg.)
Fortschritte der Psychotherapie – Manuale für die
Praxis – Praxisorientierte Fortbildung für Psychotherapeuten, Klinische
Psychologen und Psychiater
Eni S. Becker – Jürgen Hoyer
Generalisierte
Angststörungen 2005
Dieser
neue Band behandelt ein Thema welches sehr häufig im Rahmen der Beratung zur
Sprache kommt. Eine Analyse der relevanten Beratungsthemen, wie sie in 2004
erhoben werden konnten, macht deutlich, dass „Ängste und Zwänge“ von den
„Personenbezogenen Themen“ am zweit häufigsten zur Sprache gebracht wurden
(15,5 % aller Klienten = 11.211 Personen). Wenn sich dieses Buch auch wieder an
psychotherapeutisch tätige Personen richtet, so kann doch seine Lektüre sehr
viel zum Verständnis der Generalisierten Angststörungen sowie zu einem
adäquaten Umgang mit betroffenen Personen in der Beratung beitragen.
Die
Darstellung dieses Störungsbereiches folgt der bewerten Gliederung, so dass
zunächst eine Beschreibung der Störung selbst, vorgenommen wird, der dann
Theorien und Modelle folgen, um das Störungsbild erklären zu können. Diese
beiden Kapitel werden dazu beitragen, dass dem Leser bzw. der Leserin ganz neue
Gesichtspunkte eröffnet werden. Insbesondere durch die vorgenommenen
Abgrenzungen zur anderen psychischen Störungen wird sehr gut deutlich, worin
das Profil dieses Störungsbereiches liegt. Mit Verwunderung muss zur Kenntnis
genommen werden, dass das Phänomen als solches zwar bekannt ist, aber kaum
Forschungsergebnisse vorliegen, wie Generalisierte Angststörungen ausgelöst werden.
Grundsätzlich ist wohl davon auszugehen, dass Belastungen, Stress und/oder
kritische Lebensereignisse nicht durch die objektiven Bedingungen zum Auslöser
werden, sondern dass diese auf Voraussetzungen treffen, die sich durch
charakteristische Grundüberzeugungen
bzw. individuelle Persönlichkeitseigenschaften auszeichnen. Diese Bedingungen
führen zu einem Teufelskreis, aus dem es scheinbar für die betroffenen Personen
kein Entrinnen gibt. Die theoretischen Darstellungen werden durch Fallbeispiele
ergänzt. Auf diese Weise wird das Störungsbild plastischer und auch zugängiger,
so dass sich für den eigenen Beratungsalltag wichtige Impulse gewinnen lassen.
In dem Kapitel vier „Behandlung“ wird das schrittweise Vorgehen verständlich
und praxisnah dargestellt, so dass für die eigene Praxis viele Anregungen
gewonnen werden können.
Neben
den Wirkweisen der dargestellten Methoden werden deren Effektivität und die
möglichen Varianten und ihre Kombinationen erläutert. Besonders aufschlussreich
sind die Ausführungen zu „Probleme bei der Durchführung“ die deutlich machen,
welche Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit den Klienten und Klientinnen
bei der Arbeit mit zu rechnen ist, wenn diese eine Generalisierten
Angststörungen haben. Grundsätzlich ist für das Verständnis zu beachten, dass
es sich bei der Generalisierten Angststörung um kein „gut sichtbares“, auf der
Verhaltensebene leicht nachweisbares und um ein schnell objektivierbares Störungsbild
handelt. Damit geht einher, dass die erzielten Effektstärken bei gut
kontrollierten Therapiestudien die Generalisierte Angststörungen bearbeiten
auch geringer ausfallen als das bei anderen Angststörungen der Fall ist.
Ergänzt
wird dieser Band durch Hinweise zur weiterführenden Literatur und durch Fragebögen,
die sich im Anhang befinden. Die „Anleitung zum Sorgentagebuch“ und ein
„Patientenblatt zur Sorgenexposition“ ergänzen die Materialien für den
Praktiker. Für Personen die therapeutisch mit diesen Patienten bzw. mit
Klienten mit Generalisierten Angststörungen arbeiten, gibt es drei Handkarten,
die für die tägliche Praxis folgende Informationen enthalten:
a)
wichtige diagnostische Informationen,
b)
Vorbereitung der Sorgenkonfrontation,
c)
Durchführung der Sorgenkonfrontation,
d)
Vorbereitung der Konfrontation in vivo,
e)
Durchführung der Konfrontation in vivo.
Wie
die meisten anderen Bücher aus der Reihe sind sie für den psychotherapeutisch
Tätigen geschrieben. Dennoch können sie als Ergänzung und/oder Vertiefung des
notwendigen Wissens für Personen wichtig werden, die in der Institutionellen
Ehe-, Familien- und Lebensberatung bzw. Erziehungsberatung tätig sind.
Dr.
Notker Klann
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