Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

 

Guy Bodenmann

Verhaltenstherapie mit Paaren. Ein modernes Handbuch für die psychologische Beratung und Behandlung.

Bern: Hans Huber Verlag. 2004

 

Das vorliegende Buch vermittelt einen Überblick über die moderne ver­haltenstherapeutisch orientierte Arbeit mit Paaren. Es handelt sich um eine sinnvolle Ergänzung bzw. Erweiterung des Standardwerkes von Schindler, Hahlweg und Revenstorf (1998), da hochaktuelle Entwick­lungen einbezogen und dargelegt werden.

Zu Beginn werden nicht nur der theoretische Hintergrund und relevante empirische Befunde erläutert, sondern es wird auch kurz die historische Entwicklung der verhaltenstherapeutischen Arbeit mit Paaren thema­tisiert. Sodann werden die einzelnen Elemente einer Verhaltenstherapie mit Paaren, von der Anmeldung und der diagnostischen Phase über die verschiedenen Interventionsbausteine (wie z.B. Reziprozitäts-, Kommu­nikations- und Problemlösetraining, kognitive Methoden etc.) bis hin zur Evaluation, dargestellt. Bodenmann weist allerdings darauf hin, dass seine Ausführungen nicht als rezeptartige Handlungsanleitungen für Therapeuten missverstanden werden sollten, sondern vielmehr ein theo­retisch begründeter, idealtypischer Aufbau einer paartherapeutischen Intervention aufgezeigt werden soll. Gleichwohl werden die einzelnen Komponenten sehr anwendungsorientiert beschrieben, so dass letztlich eine Fülle an Tipps und Hinweisen für die konkrete Arbeit mit Paaren vermittelt werden.

Besonders detailliert werden bewältigungsorientierte Interventionen vor­gestellt, die auf Bodenmanns Stress- und Copingforschung bei Paaren beruhen. Hier ist zentral, dass Stress (vor allem die sogenannten „daily hassles“, also die kleinen, alltäglichen Belastungen und Widrigkeiten) oftmals eine ursächliche Rolle bei Partnerschaftsproblemen spielt. Dem­gemäß zielen die bewältigungsorientierten Interventionen primär darauf ab, den dyadischen Umgang, das dyadische Coping mit Stress zu ver­bessern.

Aufschlussreich sind auch die Ausführungen zur Akzeptierungsarbeit, einem Ansatz, der darauf abzielt, dass die Partner mehr Toleranz und Akzeptanz für die Eigenheiten und Bedürfnisse des anderen entwickeln und davon Abstand nehmen, den Partner nach den eigenen Vorstellun­gen verändern zu wollen. Da rund die Hälfte der Paare in der Institutio­nellen Eheberatung angibt, dass das Temperament des Partners (also etwas, was kaum veränderbar ist) zu gravierenden und unlösbaren Kon­flikten in ihrer Beziehung führt (vgl. Klann 2002; Klann & Hahlweg 1994), scheint das Vorgehen für diesen Arbeitsbereich durchaus relevant und interessant.

Im Anschluss an die Beschreibung der einzelnen Interventionsbausteine folgt ein Fallbeispiel, dass die konkrete praktische Umsetzung verschie­dener Elemente noch einmal verdeutlicht.

Abgerundet wird das Buch mit einem kurzen Kapitel zur Prävention (hier liegt der Schwerpunkt auf dem Freiburger Stresspräventionstraining von Bodenmann), einem knappen Einblick in die Forschungsbefunde zur Wirksamkeit der Verhaltenstherapie mit Paaren sowie einem Ausblick, in dem bislang vernachlässigte Themen der Partnerschaftsforschung be­nannt werden (wie z.B. Gewalt, binationale Partnerschaften etc).

 

Zusammengenommen bietet Bodenmanns Buch viele wertvolle Anre­gungen, die das Vorgehen in der Ehe- und Paarberatung bereichern können. Nützlich sind vor allem auch die Materialien (z.B. Fragebogen und Informationsblätter für Paare), die im Anhang zu finden sind.

 

Klann, N. (2002). Institutionelle Beratung - ein erfolgreiches Angebot. Von den Beratungs- und Therapieschulen zur klientenorientierten Intervention. Freiburg i.B.: Lambertus.

Klann, N. & Hahlweg, K. (1994). Beratungsbegleitende Forschung - Evaluation von Vorgehensweisen in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung und ihre spezifischen Auswirkungen. Stuttgart: Kohlhammer.

Schindler, L., Hahlweg, K. & Revenstorf, D. (1998). Partnerschaftsprobleme: Diagnose und Therapie. Berlin: Springer Verlag.

 

 

Dr. Christine Kröger

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