Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der
Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Verhaltenstherapie
in und mit Gruppen
Psychologische
Psychotherapie in der Praxis,
Beltz,
Psychologie Verlags Union 1996,
Im Angebot der meisten Beratungsstellen wird
in der Regel davon gesprochen, dass dort Einzel-, Paar-, und Gruppentherapie
stattfindet.
Streng genommen könnte diese Aussage
bedeuten, dass hier auch Gruppen von Menschen, etwa Wohngruppen, Kommunen,
Arbeitsgemeinschaften etc. als solche beraten werden. Gemeint ist damit
allerdings, dass neben dem Angebot, sich mit dem Therapeuten alleine oder als
Paar im Einzelsetting zu treffen, auch das Angebot
besteht, an der eigenen persönlichen Entwicklung im Rahmen einer
Gruppentherapie zu arbeiten. Die semantische Bedeutung des Wortes
Gruppentherapie ist zentral. In der Praxis stoßen hier zwei Welten aufeinander.
Zum einen handelt es sich um die Welt, die eine therapeutische Gruppe als
sozialen Mikrokosmos bezeichnet, der ein ungefähres Bild der Realität
darstellt. Diese Idee des sozialen Mikrokosmos bezeichnet Fiedler in seinem
Buch als Mythos und grenzt sich davon deutlich ab. Er weist auf, wie die Beziehungsmuster
und Interaktions- Probleme in einer Therapiegruppe strukturell von besonderer
Art sind und dass, wenn diese dort "gruppendynamisch" behandelt und
angegangen werden, oftmals ungünstige, gelegentlich sogar schädigende Wirkungen
eintreten können. (Vielleicht liegt hier ja ein Grund dafür, dass die
therapeutische Arbeit in und mit Gruppen entgegen jeder Wirksamkeitsforschung
(!) der absolute Ausnahmefall an Beratungsstellen ist. Viele Beraterinnen und
Berater mögen in ihrer Ausbildung die Betonung gruppendynamischer Prozesse und
Beziehungskonflikte mit ihren oftmals unglücklichen Verwicklungen als
scheinbarer "Heilfaktor" erlebt haben.
Und intuitiv scheuen sie sich
berechtigterweise, ähnliche Verwicklungen in ihrer eigenen Praxis zu
initiieren.
Fiedler stellt demgegenüber den einzelfallorientierten
gruppentherapeutischen Ansatz vor. Im Mittelpunkt steht der Einzelne, das
einzelne Paar mit seinen Problemen und Schwierigkeiten, die er und sie draußen hat und haben und weshalb sie die Beratung aufsuchen. Diese
sind zumeist völlig anderer Natur als die Struktur und Eigenart der
Interaktions- Probleme in einer gruppendynamisch- und konfliktorientierten
Gruppe. Und deren u.U. schwindende Gruppenkohäsion
würde eine Verminderung der Bereitschaft der Klienten zur Selbstöffnung
bedeuten.
Fiedler zeigt in seinem Buch, wie vom
Berater die anderen Gruppenteilnehmer hilfreich zur Unterstützung bei der
Klärung und Bewältigung der Probleme, die die Ratsuchenden mitbringen,
eingesetzt werden können. So lässt sich sein Ansatz der einzelfallorientierten
therapeutischen Arbeit in und mit Gruppen in folgende Regeln gießen:
Hält sich ein Berater an diese Leitlinien,
so gelingt i.d.R. die
Gruppenarbeit und ist für die Teilnehmer auch mit viel Freude, Spaß und
Hoffnung verbunden.
Dieses Buch macht Mut, sich mit
einer höchst effektiven und effizienten therapeutischen Methode bei der
Behandlung von Interaktions- und Kommunikationsstörungen vertraut zu machen. So
könnte die Arbeitsbeschreibung von Beratungsstellen dann lauten: "Wir
bieten Einzel- und Paartherapie und Beratung an. Neben einführenden Gesprächen
bzw. begleitenden Gesprächen findet diese Therapie insbesondere in und mit
einer Gruppe statt.
Dr. Rudolf Sanders
Zurück zu
den Buchbesprechungen