Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

Peter Fiedler

Verhaltenstherapie in und mit Gruppen

Psychologische Psychotherapie in der Praxis,

Beltz, Psychologie Verlags Union 1996, 

Im Angebot der meisten Beratungsstellen wird in der Regel davon gesprochen, dass dort Einzel-, Paar-, und Gruppentherapie stattfindet.

Streng genommen könnte diese Aussage bedeuten, dass hier auch Gruppen von Menschen, etwa Wohngruppen, Kommunen, Arbeitsgemeinschaften etc. als solche beraten werden. Gemeint ist damit allerdings, dass neben dem Angebot, sich mit dem Therapeuten alleine oder als Paar im Einzelsetting zu treffen, auch das Angebot besteht, an der eigenen persönlichen Entwicklung im Rahmen einer Gruppentherapie zu arbeiten. Die semantische Bedeutung des Wortes Gruppentherapie ist zentral. In der Praxis stoßen hier zwei Welten aufeinander. Zum einen handelt es sich um die Welt, die eine therapeutische Gruppe als sozialen Mikrokosmos bezeichnet, der ein ungefähres Bild der Realität darstellt. Diese Idee des sozialen Mikrokosmos bezeichnet Fiedler in seinem Buch als Mythos und grenzt sich davon deutlich ab. Er weist auf, wie die Beziehungsmuster und Interaktions- Probleme in einer Therapiegruppe strukturell von besonderer Art sind und dass, wenn diese dort "gruppendynamisch" behandelt und angegangen werden, oftmals ungünstige, gelegentlich sogar schädigende Wirkungen eintreten können. (Vielleicht liegt hier ja ein Grund dafür, dass die therapeutische Arbeit in und mit Gruppen entgegen jeder Wirksamkeitsforschung (!) der absolute Ausnahmefall an Beratungsstellen ist. Viele Beraterinnen und Berater mögen in ihrer Ausbildung die Betonung gruppendynamischer Prozesse und Beziehungskonflikte mit ihren oftmals unglücklichen Verwicklungen als scheinbarer "Heilfaktor" erlebt haben.

Und intuitiv scheuen sie sich berechtigterweise, ähnliche Verwicklungen in ihrer eigenen Praxis zu initiieren.

Fiedler stellt demgegenüber den einzelfallorientierten gruppentherapeutischen Ansatz vor. Im Mittelpunkt steht der Einzelne, das einzelne Paar mit seinen Problemen und Schwierigkeiten, die er und sie draußen hat und haben und weshalb sie die Beratung aufsuchen. Diese sind zumeist völlig anderer Natur als die Struktur und Eigenart der Interaktions- Probleme in einer gruppendynamisch- und konfliktorientierten Gruppe. Und deren u.U. schwindende Gruppenkohäsion würde eine Verminderung der Bereitschaft der Klienten zur Selbstöffnung bedeuten.

Fiedler zeigt in seinem Buch, wie vom Berater die anderen Gruppenteilnehmer hilfreich zur Unterstützung bei der Klärung und Bewältigung der Probleme, die die Ratsuchenden mitbringen, eingesetzt werden können. So lässt sich sein Ansatz der einzelfallorientierten therapeutischen Arbeit in und mit Gruppen in folgende Regeln gießen:

 

Hält sich ein Berater an diese Leitlinien, so gelingt i.d.R. die Gruppenarbeit und ist für die Teilnehmer auch mit viel Freude, Spaß und Hoffnung verbunden.

 Dieses Buch macht Mut, sich mit einer höchst effektiven und effizienten therapeutischen Methode bei der Behandlung von Interaktions- und Kommunikationsstörungen vertraut zu machen. So könnte die Arbeitsbeschreibung von Beratungsstellen dann lauten: "Wir bieten Einzel- und Paartherapie und Beratung an. Neben einführenden Gesprächen bzw. begleitenden Gesprächen findet diese Therapie insbesondere in und mit einer Gruppe statt.

Dr. Rudolf Sanders

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