Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn , 2 -2007

 

 

Jürg Frick (2007)

Die Kraft der Ermutigung. Grundlagen und Beispiele zur Hilfe und Selbst­hilfe.

Bern: Hans Huber Verlag. 24,95 €

 

In der Regel suchen Menschen dann professionellen Rat oder professio­nelle therapeutische Unterstützung, wenn sie selbst „nicht mehr weiter wissen“, d.h. wenn sie subjektiv den Eindruck haben, dass die eigenen Ressourcen erschöpft sind und eigene Problemlösungsversuche nicht gelungen sind. Dementsprechend ist das Aufsuchen einer Beratungs­stelle oder auch einer PsychotherapeutIn allzu oft von Gefühlen der Un­zulänglichkeit, der Schwäche und Inkompetenz begleitet; kurzum: Bera­terInnen und TherapeutInnen begegnen häufig Menschen, die in vielerlei Hinsicht entmutigt sind. Da Veränderung aber immer auch den Mut erfor­dert, Neues auszuprobieren bzw. sich auf Neues einzulassen, widmet sich Jürg Frick mit der Thematik der Ermutigung einem Aspekt, der für beraterische und therapeutische Prozesse von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.

In insgesamt 10 Kapiteln setzt sich der Autor intensiv mit dem Themen­feld auseinander. Dabei widmen sich die ersten sechs Kapitel primär den Grundlagen zum Konzept der „Ermuti­gung“, während die übrigen vier Kapitel praktische Anwendungsfelder und -möglichkeiten fokussieren.

Der Autor entwickelt eine eklektische Perspektive, die - basierend auf einem individualpsychologischen Zugang - vor allem Überlegungen und empirische Befunde der Bindungstheorie, der Resilienzforschung, der Neuropsychologie sowie systemische Gedanken, lösungsorientierte und kognitionspsychologische Ansätze  integriert. Das Besondere - und auch Spannende - ist, dass die Bedeutung und die Konsequenzen wieder­holter entmutigender und ermutigender Erfahrungen anhand der Lebenswege von verschiedenen Persönlichkeiten anschaulich vermittelt werden. Beispielsweise werden die destruktiven und pathogenen Aus­wirkungen einer dauerhaft entmutigenden Erziehung am Beispiel der Lebensgeschichte von Franz Kafka aufgezeigt. Auch der Stellenwert von zentralen ermutigenden Lebenserfahrungen, die die Einflüsse pathoge­ner Bedingungen durchaus abfangen bzw. kompensieren können, wird anhand beeindruckender Biografien wie z.B. der von Nelson Mandela demonstriert.

Insgesamt wird die Relevanz einer ermutigenden Erziehung - und zwar sowohl in der Familie als auch in der Schule (dem Thema Ermutigung in der Schule ist erfreulicherweise ein eigenes Kapitel gewidmet) - für den weiteren Entwicklungsweg von Kindern und Jugendlichen deutlich heraus gearbeitet. Unübersehbar ist hier letztlich die Nähe zu einem Kernaspekt des autoritativen Erziehungsstils (vgl. Baumrind, 1967, 1989; Steinberg, Darling & Fletcher, 1995), der sich schließlich nicht nur durch ein hohes Ausmaß an liebevoller Zuwendung und klarer Strukturgebung auszeich­net, sondern eben auch ermutigende Unterstützung beim Streben nach Selbständigkeit und bei der Bewältigung altersangemessener Anforde­rungen beinhaltet. Frick betont im Rahmen seiner Ausführungen mehr­fach, dass gelungene Ermutigung vor allem auf einer grundsätzlichen Haltung gegenüber Kinder und Ratsuchenden fusst. Sicherlich handelt es sich hierbei um einen nicht unbedeutenden Gedanken, gleich­wohl er­zeugt eine Haltung allein noch keine ermutigende Atmosphäre. Dementsprechend halte ich Fricks Ausführungen zu kon­kreten Möglich­keiten der Ermutigung im pädagogischen und bera­terischen Kontext für ganz wichtig und zentral - für meinen Geschmack hätte dieser Teil durchaus noch sehr viel mehr Raum einnehmen können, um Thera­peutInnen, BeraterInnen und PädagogInnen umfassend aufzu­zeigen, wie Ermutigung gelingen kann.

 

Baumrind, D. (1967). Child care practices anteceding three patterns of preschool behavior.

Genetic Psychology Monographs, 75, 43-88.

Baumrind, D. (1989). Rearing competent children. In W. Damon (Ed.), Child development today and tomorrow (pp.349-378). San Francisco, CA: Jossey Bass.

Steinberg, L., Darling, N.E. & Fletcher, A.C. (1995). Authoritative parenting and adolescent development: An ecological journey. In P. Moen, G.H. Elder & K. Lüscher (Eds.), Examining lives in context (pp. 423-466). Washington, DC: American Psychologi­cal Association.

 

Dr. Christine Kröger