Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

 

Klaus Grossmann und Karin Grossmann (Hrsg.)

Bindung und menschliche Entwicklung
John Bowlby, Mary Ainsworth und die Grundlagen der Bindungstheorie

 

Klett Cotta, Stuttgart 2003

 

Die meisten von uns werden von den Nachfolge-Reaktionen der Enten- und Gänseküken gehört haben, die Konrad Lorenz als ihre Mutter adaptierten. Er konnte zeigen, dass mindestens bei manchen Tierarten ein starkes Band zu der einzelnen Mutterperson ohne die Vermittlung durch Futter sich entwickeln konnte, dass dieses Band sich während einer sensitiven Phase früh im Leben schnell entwickelte und dass es dazu neigt, Bestand zu haben. Dieses Phänomen untersuchten insbesondere John Bowlby und Mary Ainsworth bei Menschen und entwickeln daraus die Bindungstheorie. Diese geht davon aus, dass alle Primatenkinder, allen voran menschliche Neugeborene, genetisch so programmiert sind, dass sie enge bindungsartige Beziehungen zu erwachsenen älteren Menschen eingehen, die stärker und weiser sind, und die sie beständig versorgen. Sie vermuten, dass die „Natur“ dieses Bandes und seine Folgen für das gesamte Spektrum unterschiedlicher Qualitäten psychologischer Anpassung über den gesamten individuellen Lebenslauf hin -  Qualitäten von „innerlich reich“ und „voller Schaffenskraft“ bis „leer“, „resigniert“ und „destruktiv“ - einen bedeutsamen Einfluss hat.

Der Sammelband bietet eine gute theoretische Übersicht über die Bindungstheorie, damit verknüpfte empirische Untersuchungen, längsschnittliche Forschungsprojekte über die Entwicklung von Kindern; die Auswirkungen von sicheren und unsicheren Bindungsmustern; über die Beziehung zwischen Mutter und Kind, als soziale Entwicklung, in der Sozialisation verstanden wird als ein Ergebnis gegenseitigen Beantwortens von Signalen.

Dr. Rudolf Sanders

 

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