Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag
Paderborn
Klaus Grossmann und Karin Grossmann (Hrsg.)
Bindung und menschliche Entwicklung
John Bowlby, Mary Ainsworth und die Grundlagen der Bindungstheorie
Die meisten von uns
werden von den Nachfolge-Reaktionen der Enten- und Gänseküken gehört haben, die
Konrad Lorenz als ihre Mutter adaptierten. Er konnte zeigen, dass mindestens
bei manchen Tierarten ein starkes Band zu der einzelnen Mutterperson ohne
die Vermittlung durch Futter sich entwickeln konnte, dass dieses Band sich
während einer sensitiven Phase früh im Leben schnell entwickelte und dass es
dazu neigt, Bestand zu haben. Dieses Phänomen untersuchten insbesondere John
Bowlby und Mary Ainsworth bei Menschen und entwickeln daraus die
Bindungstheorie. Diese geht davon aus, dass alle Primatenkinder, allen voran
menschliche Neugeborene, genetisch so programmiert sind, dass
sie enge bindungsartige Beziehungen zu erwachsenen älteren Menschen eingehen,
die stärker und weiser sind, und die sie beständig versorgen. Sie vermuten,
dass die „Natur“ dieses Bandes und seine Folgen für das gesamte Spektrum
unterschiedlicher Qualitäten psychologischer Anpassung über den gesamten
individuellen Lebenslauf hin - Qualitäten
von „innerlich reich“ und „voller Schaffenskraft“ bis „leer“, „resigniert“ und
„destruktiv“ - einen bedeutsamen Einfluss hat.
Der Sammelband
bietet eine gute theoretische Übersicht über die Bindungstheorie, damit
verknüpfte empirische Untersuchungen, längsschnittliche Forschungsprojekte über
die Entwicklung von Kindern; die Auswirkungen von sicheren und unsicheren
Bindungsmustern; über die Beziehung zwischen Mutter und Kind, als soziale
Entwicklung, in der Sozialisation verstanden wird als ein Ergebnis
gegenseitigen Beantwortens von Signalen.
Zurück zu
den Buchbesprechungen