Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
, 4 -2007
Howard M. Halpern
Liebe und Abhängigkeit
Wie wir übergroße Abhängigkeit in einer
Beziehung beenden können
Iskopress Salzhausen 2004, 19,00 €
Bei der Beratung von Paaren,
die sich in heftigen destruktiven Auseinandersetzungen bzw. Krisen befinden,
ist neben den objektiven Worten die fallen und Handlungen, die getätigt werden,
das Dechiffrieren des "Films", der zwischen beiden unbewusst läuft,
häufig der Schlüssel zum Erfolg.
Erfolg in dem Sinne, Paare aus einer Übertragungssituationen, in der sie
miteinander agieren, heraus zu führen und Perspektiven für ein befriedigendes
miteinander aufzuzeigen, dieses erleben zu lassen und dann einzuüben. Der Autor
sieht den Hunger nach Zuneigung, als Grundlage für Abhängigkeit, begründet in
den frühen Erfahrungen mit den aller ersten Bezugspersonen. In der Folge werden
dann im Verlauf des Lebens andere Menschen als ein Spiegel benötigt, der definiert und sagt, wer sie sind. Und das trifft
insbesondere auf nahe Beziehungen zu. Diese Abhängigkeit von einer anderen
Person kann so weit gehen, dass diese sagt, wer man ist, damit die eigene
Identität abgrenzt werden kann oder sogar erst geschaffen wird. Somit wird der
Verlust oder ein möglicher Verlust dieser anderen Person einem Verlust des
eigenen Ichs gleich. Nach diesem plausiblen Erklärungsansatz für Abhängigkeit
wird aufgezeigt, wie diese in einer nahen Beziehung zu Stande kommt und sich zu
einem destruktiven Muster für die Beziehung etabliert. Die Autor endet mit
Wegen, sich aus der Abhängigkeit zu lösen, etwa mit Hilfe von ganz konkreten
Aphorismen wie z.B. "Liebe reicht nicht aus, um eine gute Liebesbeziehung
zu schaffen" oder "die Intensität der Entzugssymptome zeigt nicht die
Stärke deiner Liebe, sondern die Stärke deiner Abhängigkeit." Die Lektüre
hilft, aus destruktiven Beziehungsmustern aussteigen und damit erst die
Grundlage für neues Miteinander zu schaffen.
Dr. Rudolf Sanders