Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der
Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Helga
M. Käsler-Heide
Diagnose:
Tod und Sterben
Gespräche
mit unheilbar Kranken, Angehörigen und Hinterbliebenen, 1999
Berlin:
Springer Verlag,
Einem Menschen mitzuteilen, dass er
unheilbar krank ist und bald sterben wird, oder einen Angehörigen über den
nahenden Tod zu informieren, gehört mit zu den belastendsten
Momenten im Alltag von medizinischem Fachpersonal. Auch die Übermittlung der
Nachricht vom plötzlichen Tod eines Menschen ist für den Überbringer eine
schwere Aufgabe
Eigene Ängste und Unsicherheit machen oft
sprachlos.
Helga Käsler-Heide beschäftigt sich in ihrem Buch "Diagnose: Tod
und Sterben" in einfühlsamer und verständlicher Weise mit diesen
Situationen, sowohl aus der Sicht der Betroffenen als auch der
"professionellen Helfer". Sie wendet sich damit an alle
Berufsgruppen, die mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer konfrontiert sind, wie
Ärzte, Pflegepersonal, Polizeibeamte, die z.B. oft die Todesnachricht
überbringen müssen, und Seelsorger. Diese sind ihrer Meinung nach nicht
ausreichend auf ihre Aufgabe vorbereitet.
Der erste Teil des Buches beschäftigt sich
mit Trauer allgemein und den damit verbundenen Gefühlen. Das Wissen um die
psychischen Vorgänge bei Konfrontation mit Sterben und Tod ist ein wichtiger
Baustein im Umgang mit Betroffenen.
Daneben ist die Kenntnis von Regeln und
Wirkungsweise der Kommunikation notwendige Voraussetzung. Diese werden anhand
von zahlreichen Beispielen aus der Praxis beschrieben, wobei deutlich wird, wie
wichtig ein bewusster Umgang mit Sprache ist. Auch die besondere Problematik
bei Gesprächen mit Kindern wird thematisiert, wobei die Autorin für Offenheit
plädiert.
Ausführlich wird auf den Bereich Krankenhaus
eingegangen, wo oft die Zeit, Ruhe und die nötige räumliche Atmosphäre fehlen,
um mit Schwerstkranken oder deren Angehörigen in angemessener Weise zu
sprechen. Trotz dieser Hindernisse ist es nach Meinung der Autorin gerade dann
wichtig, sich dafür Zeit zu nehmen; besonders auch den Menschen, die mit einer
Todesnachricht konfrontiert werden, beizustehen und sie nicht allein zu lassen,
zumal für die meisten diese Situation unauslöschlich im Gedächtnis bleibt.
Helga Käsler-Heide ermutigt dazu, die eigene
Hilflosigkeit auszuhalten; sich die eigenen Gefühle und Ängste bewusst zu
machen und einzugestehen.
Bei der Darstellung des plötzlichen Todes
geht sie auf die verschiedensten Arten wie Unfall, Suizid und Mord, und die
damit verbundenen Fragen ein. Auch die Schwierigkeit nach der Erlaubnis für
eine Organentnahme zu fragen bleibt nicht unbehandelt. Die Autorin gibt hierzu
ganz konkrete Formulierungshilfen. Die Ausführungen über längerfristige
Trauerbegleitung sind m.E. zu kurz und allgemein, um
wirklich hilfreich zu sein.
Das Buch zeigt für den Themenbereich Tod und
Trauer keine neuen Erkenntnisse auf, stellt aber die verschiedenen Teilgebiete
klar gegliedert und verständlich dar. Durch die konkreten
Formulierungsbeispiele und Handlungsanregungen bietet es insgesamt eine
sinnvolle Unterstützung für professionelle Helfer in Situationen, in denen die
Diagnose Sterben und Tod aktive Kommunikation nötig macht.
Bleibt zu wünschen, dass es von Ärzten und
anderem medizinischem Fachpersonal auch gelesen wird.
Ursula Krombach-Stettner,
Ehe-, Familien und Lebensberatung
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