Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
, 1 -2007
Homeier Schirin
Sonnige Traurigtage
Mabuse Verlag, Frankfurt am Main 2006, 19,80
€
Etwa 500.000 Kinder
in Deutschland leben in einer Familie, in denen ein Elternteil an Schizophrenie
oder Depressionen erkrankt ist. Bei über 2,65 Millionen Kindern weist ein Elternteil
eine alkoholbezogene Störung auf. Vielen von ihnen fällt es schwer, sich
jemanden bezüglich der elterlichen Erkrankung anzuvertrauen, denn diese wird in
nicht wenigen Familien tabuisiert. Dieses Buch - man kann der Autorin wirklich
nur dazu zu gratulieren - bricht eine Lanze für diese Kinder. Im ersten Teil
ist es ein Bilderbuch, in dem die Geschichte von Mona und ihrer psychisch
erkrankten Mutter erzählt wird. Es geht um Monas Versuche, alles richtig zu
machen, die Mutter nach allen Kräften zu unterstützen, immer lieb zu sein und
sich ganz verrückte Dinge einfallen zu lassen, wie etwa den eigenen Teddy zu
begraben in der Hoffnung, dass dadurch wieder Mutter glücklich wird. In ihrer
erfolglosen Strategie trifft sie auf eine einfühlsame Lehrerin, die zum einen
dafür sorgt, dass die Mutter in ärztliche Behandlung kommt zum anderen zeigt
diese Wege auf, Mona in dieser Situation zu unterstützen. Darüber hinaus werden
unbewusste Fragen solcher Kinder benannt: Darf ich auf Mama, Papa wütend sein?
Bin ich schuld an der Krankheit? Was tun, wenn andere Kinder blödes Zeug über mich
reden? Abgerundet wird das Buch mit einem Ratgeber für Eltern und anderen
Bezugspersonen. Es öffnet uns Beraterinnen und Berater die Augen für die Not
der Kinder psychisch kranker Eltern und zeigt über die anrührende Geschichte
von Mona, wie Hilfe konkret aussehen
kann. Betroffenen Erwachsenen ist es eine Brücke, um mit ihren Kindern über
ihre Krankheit sprechen zu können. Es gehört einfach in die Wartezone jeder Beratungsstelle.
Dr. Rudolf Sanders