Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Michaela Huber
Der innere Garten. Ein achtsamer Weg zur persönlichen Veränderung.
Übungen mit CD
Junfermann Verlag 2005,
Bespreche und empfehle ich eher das Buch oder die CD - auch wenn beides zusammen gehört? Gehe ich
einmal davon aus, dass viele unserer Ratsuchenden in ihrer Kindheit wenig
Erfahrungen mit liebevollen Bindungspersonen gemacht haben, mit Menschen, die sich
um sie gekümmert haben, fällt mein Blick zuerst auf die CD. Mit einfühlsamen
liebevollen Worten begleitet die Autorin den Zuhörer und die Zuhörerin in
seinen inneren Garten. Ein schönes Bild, doch für viele noch schier
unerreichbar diese Vorstellung. Ein Leben, dass eher ein Hin- und Hergerissen zu
sein scheint: „Ich will ja, aber ich kann nicht!“ Ein chronisch hoher
Stresspegel, der das Leben als Qual erscheinen lässt aber doch nicht als Garten!
Der Weg in den Garten führt zunächst über die Achtsamkeit für sich selbst, die
Antwort auf die simple Frage: „Wie geht es mir gerade?“ Er macht deutlich,
warum das Verändern, ausgelöst durch negative Zuschreibungen von Eltern oder
Geschwistern, so schwer fällt. Und dann in der Übung: „Vorübergehend Lasten
ablegen“, entledigt man sich - zumindest vorübergehend (!) - diesen schweren
Paketen, etwa dem größten Problem, das man noch aus der Vergangenheit mit sich
herumschleppt, dem größten Problem der derzeitigen Beziehung oder etwa der
größten Zukunftssorge. Es geht in den Übungen nicht um ein simples positiv
Denken nach dem Motto: „Sorge dich nicht – lebe!“, sondern um eine liebevolle
und achtsame innere Ermutigung, die auf Erkenntnis und dem Respekt dessen
beruht, was das Unbewusste an Warnungen, Meinungen und Gegenmeinungen zu bieten
hat, allesamt Auswertungen von konkreten Lebenserfahrung.
Und was ist das
Ziel der Übungen? Dem aus unguter Lebenserfahrung erworbenen, ohnmächtigen
Dauerempfinden: „Ich will ja, aber ich kann nicht!“ oder anderes ausgesprochen,
die erlernte Hilflosigkeit, die Depression, hinter sich zu lassen und dafür zu
sorgen, dass gute Gefühle entstehen. Komme ich zum Schluss zu dem Buch, dann
finden sich natürlich in diesen noch mehr Übungen als auf der CD und darüber
hinaus, in verständlichen Worten der wissenschaftliche Hintergrund. Aber nicht
nur Ratsuchende können mit diesen Übungen etwas anfangen, sie bieten eine wahre
Fundgrube für alle Profis im Sozial- und Gesundheitswesen.
Dr. Rudolf Sanders
Zurück zu
den Buchbesprechungen