Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

 

 

Jerold J. Kreisman & Hal Straus

 

Zerrissen zwischen Extremen

Leben mit einer Borderline Störung - Hilfen für Betroffene und Angehörige

Kösel Verlag München 2005

 

Als das erste Buch der beiden Autoren: Ich hasse dich - Verlass mich nicht: Die schwarzweiße Welt der Borderline Persönlichkeit 1989 erschien, war dies einer der ersten Versuche überhaupt, Menschen in einer verständlichen Form zu helfen, die an einer Borderline Persönlichkeitsstörung als Betroffene bzw. Angehörige leiden. Ziel war es, diese Störungen zu verstehen und damit umzugehen. Allerdings steckte das Verständnis für diese Krankheit noch in den Kinderschuhen. Es gab nur wenig Forschung dazu und es mangelt an Beobachtungen von Klienten über einen längeren Zeitraum. Durchbrüche auf vielen Gebieten haben in den letzten 15 Jahren zu bedeutenden Fortschritten im Verständnis und in der Behandlung dieser Störung geführt. So wurden psychotherapeutische Techniken speziell für die Behandlung von Borderline Patienten und neue Medikamente entwickelt, mit denen sie die Symptome wirksamer unter Kontrolle bekommen.

Wie schon das erste Werk bietet dieses eine sehr leicht verständliche mit ausführlichen Fallbeispielen versehenen Erklärung für Betroffene und Angehörige. Es lässt etwa verstehen, dass die latente Wut eines Borderliners mit normaler Wut in keiner Weise vergleichbar ist. Ist doch der wütende Erwachsene die Frucht des frustrierten Kindes, dessen Bedürfnisse unbefriedigt geblieben sind. Das heranwachsende Kind, hungrig nach kontinuierlicher Zuwendung, wandelt im Laufe seiner Entwicklung Frustration in Aggression um. Und so wurden die meisten Borderline Kranken in ihrer Kindheit schwer misshandelt oder vernachlässigt. Dieser Verrat am Kind ist eine schreckliche Erfahrung, bei der es mit einer sadistischen, unberechenbaren Welt konfrontiert ist, in der es niemanden vertrauen kann. Hier konnte Zuneigung jederzeit umschlagen in Vergewaltigung und das Kind musste ständig Angst haben, verlassen zu werden. Neben der Hilfe, die Ursachen der Krankheit zu verstehen bekommen Betroffene und Angehörige ganz konkrete Hinweise und Strategien etwa für den Umgang mit dem Borderline-Zorn.

Das Buch rundet sich ab durch Literaturhinweise, Internet Adressen und verweise auf Therapiemöglichkeiten. Mit der Vorstellung der erfolgversprechendsten Behandlungsmethoden bieten die Autoren Betroffenen, Angehörigen, Ärzten und therapeutischem Fachpersonal fundiert Orientierung und Unterstützung.

 

Dr. Rudolf Sanders

 

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