Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der
Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Kanfer,
Reinecker, Schmelzer,
Selbstmanagementtherapie
Ein Lehrbuch für die klinische Praxis.
Springer-Verlag, Berlin, 2000,
Selten hat mich die Lektüre
eines Buches so fasziniert und hat mir soviel Anregung für meine beraterische
Arbeit gegeben wie das Buch von Kanfer/Reinecker/Schmelzer
"Selbstmanagementtherapie". Ja, ich halte diesen Ansatz als ein
grundlegendes Arbeitsmodell einer Ehe-, Familien- und Lebensberatungs-Stelle.
Es handelt sich dabei um ein Problemlösemodell, mit dessen Hilfe das Prinzip
der `Hilfe zur Selbsthilfe` systematisch umgesetzt wird. Um ein Bild aus der
Entwicklungshilfe zu benutzen: Es geht darum, nicht dem Hungernden einen Fisch
zu geben, sondern ihn das Fischen zu lehren. Dieser Änderungsprozess, der mit
dem Erwerb neuer oder zusätzlicher Fertigkeiten einhergeht, dauert einige Zeit
und ist nicht mit dem Erteilen gutgemeinter
Ratschläge bzw. mit einigen Sitzungen "empathischen Zuhörens"
erledigt. Das oberste Ziel dieses Konzeptes besteht darin, Menschen
baldmöglichst mit geringem Aufwand wieder zu einer eigenständigen Bewältigung
ihrer Lebensvollzüge zu bewegen. Das Konzept integriert dabei alle
empirisch-wissenschaftlich gestützten Maßnahmen, die geeignet sind, diesen
Lern- und Veränderungsprozess optimal zu vollziehen und auf die jeweiligen
Personen und ihre Lebensumstände abzustimmen. Vorhandene Ressourcen werden
respektiert, ebenso die Anliegen, Interessen, Ziele und Motive des Klienten.
Den Klienten wird ein Maximum an Selbstbestimmung und Mitentscheidung, zu dem
sie fähig sind, zugestanden.
Folgende Annahmen sind die
Basis des Selbstmanagement-Ansatzes:
·
Autonomie und
Selbstverantwortung sind wichtige Werte im menschlichen Leben.
·
Beratung ist ein
Lernprozess mit dem Ziel, ein Leben ohne Therapie zu führen.
·
Selbstkontrolle
und Selbstregulation ist eine lernbare Fähigkeit.
·
Durch
Transparenz des Vorgehens und der Konsensbildung bei Entscheidungen werden die
Klienten ständig am Therapiegeschehen mitbeteiligt.
·
Es besteht eine
enge Verbindung zwischen der beraterischen Praxis und den aktuellen Befunden
psychologischer Grundlagenforschung.
·
Der Schwerpunkt
liegt auf einem erfahrungsorientierten Lernen (learning
by doing).
Der
Ansatz wird anhand von 7 Therapiephasen sehr anschaulich und anregend in dem
Buch ausgebreitet.
Dr.
Rudolf Sanders
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