Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn , 4 -2007

 

 

 

Detlev Klöckner
Phasen der Leidenschaft
Emotionale Entwicklungen in Paarbeziehung
Klett Cotta 2007, 24,50 €


Das Buch ist ein Plädoyer für den Prozess menschlicher Entwicklung in einer auf Dauer angelegten Paarbeziehung. Die sich verändernde emotionale Dimension Leidenschaft ist in ihren sich entwickelnden Phasen Roter Faden der Betrachtung. Zunächst einmal von der singularen Verliebtheit, der Entscheidung sich vorübergehend zusammen zu tun oder auch entschieden Single zu bleiben. Über die dyadische Verliebtheit, von der Balance zwischen Vertrauen und Misstrauen, Sexualität, Sittsamkeit und Treue hin zu den intimen Dialogen und zum Ende zum fürsorglichen Finale, der komplementären Vertrautheit, gewachsenen aus dem sich aneinander Entwickelt haben.

 Ein philosophisches Buch, welches unter Zuhilfenahme der Etymologie deutlich macht, dass die ursprüngliche Bedeutung den Begriff Leidenschaft viel weiter fasst als die heute geläufige. Aus der ursprünglichen von Weggehen, Erfahren, Vergehen und Sterben wurde Verlangen und Erleiden. Und in diesem Rückgriff wird das Anliegen des Autors deutlich, die Phasen der Wandlungsprozesse in einer exklusiven Paarbeziehung zu verstehen. Er will anregen, über veränderliche und unveränderliche Eigenschaften der Leidenschaft nachzudenken. Dabei wird das Verständnis vorausgesetzt, Liebesbeziehungen als Subsysteme einer mehrfach gestalteten Umwelt zu reflektieren und Spielarten der Leidenschaft als Teile eines Kaleidoskops der Lebenskunst zu begreifen.

Ein Beispiel: So ist etwa Vertrauen ein stark strapaziertes Phänomen. Dieses zeigt sich nicht auf direktem Weg und nicht sofort. Es begleitet nur als Vergangenes und Fehlendes. Denn wie kann jemand wissen, ob er Vertrauen hat, wenn es ihm zum Zeitpunkt, da es erleben will, nicht bewusst ist und er es erst spürt, wenn es abhanden gekommen ist? Vertrauen besitzt nämlich keine eigene Empfindungsqualität. Dort, wo Vertrauen existiert, erhält die Aufmerksamkeit keine Hinweise. Für Vertrauen sind wir blind, es handelt sich um eine nachgeschobene Behauptung. Wie also damit umgehen? So kann Vertrauen definiert werden als akzeptierte Verletzbarkeit, die im Zusammenhang mit dem besonderen Stellenwert eines anvertrauten Menschen und mit der Wahrscheinlichkeit gewagt werden kann, durch jenen eher nicht zu Schaden zu kommen.

Ein wirklich spannendes Buch, das zum Nachdenken und damit zum Verstehen einlädt, nicht nur bezogen auf die Arbeit mit Paaren, sondern auch auf die Gestaltung des eigenen Lebens.

Dr. Rudolf Sanders