Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis
der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Helmut Kury & Joachim Obergfell-Fuchs (Hrsg.)
Gewalt in der Familie
Für und Wider des Platzverweis
Lambertus Verlag Freiburg 2005
Die Sensibilisierung
gegenüber häuslicher Gewalt, vor allem mit der Offenlegung des Ausmaßes, hat in
den letzten Jahren deutlich zugenommen. Vor dem Hintergrund der hierdurch
verursachten Schäden, die für die (kindlichen) Opfer teilweise lebenslange
Schäden und entsprechend gesellschaftlichen Kosten verursachen, ist dies mehr
als notwendig. Aus der Beziehungsberatung wissen wir, dass wir gesellschaftlich
hinsichtlich der Prävention und Ächtung erst in den Anfängen stecken. So bietet
dieses Buch eine fundierte Zusammenfassung von Forschungsergebnissen zum Thema
Gewalt in der Familie. Es wird etwa mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass es vor
allem die Männer sind, die Gewalt ausüben. Denn auch sie werden Opfer von
Gewalt in Familien, weil sich ihre Frauen gewalttätig verhalten und zwar über
Einzelfälle hinaus. Das Thema Gewalt in der Familie ist, wie zahlreiche
internationale Studien zeigen - unabhängig von der Kultur oder Religion -
keineswegs die Ausnahme, sondern sie kommt relativ häufig vor!
Ein
Möglichkeit des Schutzes davor ist die Anwendung des Platzverweises für den
Aggressor und die Möglichkeit, ein zunächst zeitlich befristetes Verbot, die
gemeinsame Wohnung zu betreten bzw. sich dem Opfer in der Öffentlichkeit über
einen Mindestabstand von etwa 100 m zu nähern. Der vorliegende Band gibt einen,
teils kritischen, Überblick über die Maßnahmen und Konzepte. Etwa wird in einem
Beitrag der Frage nachgegangen, wer letztlich Täter und wer Opfer ist. Denn die
Praxis des Platzverweisverfahrens wirft, da diese sich bislang am
traditionellen Rollenbild orientiert, mehr Fragen als Antworten auf. Sicherlich
handelt es sich dabei um eine effektive Maßnahme, wie an Hand von Beispielen
und wissenschaftlichen Evaluationen an
anderer Stelle belegt wird, aber er ist kein Allheilmittel sondern muss in ein
komplexes Hilfesystem eingebunden werden .
Zusammengefasst
ein Buch, welches den stattgefunden Paradigmenwechsel unterstützt, dass Gewalt
in der Familie keine Privatsache ist, sondern eine gesellschaftliche, die auch
staatliches Eingreifen erfordert,.
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