Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

 

 

Johannes Lindenmeyer

 

Lieber schlauer als Blau

 

Entstehung und Behandlung von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Psychologie Verlags Union, Beltz, Weinheim 2001

 

Mit dem Film: Der Untergang der Titanic, wurde uns in Starbesetzung vor Augen geführt, zu welchen Katastrophen menschlicher Hochmut und Unwissenheit führen können. Heißt es doch im seeamtlichen Untersuchungsbericht: " Die Titanic ist untergegangen, weil sie unklug geführt und trotz reichlicher Warnungen mit voller Geschwindigkeit in eine Gefahr gebracht wurde, der man leicht hätte ausweichen können. "

 

 Ausgehend von diesem Bild klärt der Autor über die Entstehung einer Abhängigkeitsentwicklung auf. Diese Aufklärung ist ohne jeden moralischen Zeigefinger. So setzt er auf das in jedem Menschen vorhandene Grundbedürfnis nach Kontrolle und Selbstbestimmung und zeigt einen Weg auf, wie dieses wieder erlangt werden kann. Genau das ist, was das Buch so wie lesenswert macht, nicht die Drohung mit den üblen Folgen eines unkontrollierten Alkoholkonsums sondern, dass sich der Leser wertgeschätzt fühlt. So ist man motiviert, sich kundig zu machen. Zunächst einmal über die Geschichte des Alkoholismus, seine Auswirkungen auf den Körper, die Entstehung einer Abhängigkeitsentwicklung usw..

 

Mutmachend und hoffnungsentwickelnd wird der therapeutische Weg aus der Abhängigkeit -, auch bezogen auf Medikamente und Nikotin  - aufgezeigt. Erleichtert wird die Lektüre durch ihre leichte Lesbarkeit, die durch eine klare Gliederung ansprechende Comics, Zusammenfassungen und Literaturtipps aufgebaut ist. Es macht Freude, wie es dem Autor gelungen ist, wissenschaftliche Erkenntnisse ansprechend zu vermitteln.

Beendet wird das Buch mit einer Reihe von Fragebogen die helfen, das Gelesene auf die eigene Person zu übertragen und so zu Durchblick  gelangen, zu Klarheit über sich selbst.

 

So ist dieses Buch  für Abhängige eine wertvolle Hilfe, den therapeutischen Prozess aktiv zu unterstützen, für deren Angehörige Information, die ihren Familienangehörigen angemessen zu verstehen . Für Berater, auch wenn sie selbst nicht ausdrücklich Suchtberatung machen, ist es eine unverzichtbare Lektüre bei der Begleitung von Ratsuchenden.

Dr. Rudolf Sanders

 

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