Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag
Paderborn
Dietmar Schulte, Klaus Grawe, Kurt Hahlweg
& Dieter Vaitl (Hrsg.)
Ratgeber zur Reihe "Fortschritte der
Psychotherapie"
Informationen für Betroffene und Angehörige,
€ 7,95
In der Aufmachung
und im Text versucht dieser Ratgeber die Personen, die dieses Buch in die Hand
nehmen, entgegen zu kommen und ihnen Anregungen zu geben, damit sie Klarheit
über ihre derzeitige Situation erlangen und Impulse für eine Veränderung
gewinnen können. Der Text geht davon aus, dass der Leser ganz unterschiedlich
betroffen sein könnte. Zunächst zielt er darauf ab, dass der Betroffene sich
selbst ein qualifiziertes Urteil über seine eigene Situation bilden kann. Es
werden die unterschiedlichen Formen der Entstehung für eine Alkoholabhängigkeit
dargestellt und schließlich daraus ein gangbarer Weg entwickelt, um von dieser
Abhängigkeit wieder frei zu werden. Dies wird in einer verständlichen und auch
zum Nachdenken anregenden Sprache dargestellt. In dem ersten Kapitel
„Alkoholabhängigkeit – Was ist das?“ werden die unterschiedlichen
Erscheinungsformen aufgezählt und Kriterien vorgelegt, die eine persönliche
Standortbestimmung möglich machen. Arbeitsblätter im Anhang fassen die
einzelnen Phänomene noch einmal zusammen und geben demjenigen, der diese
Blätter ausfüllt, eine genaue Rückmeldung, so dass eine klare Positionsfindung
möglich wird. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Entstehungsgeschichte der
Alkoholabhängigkeit und erläutert, warum sie in der Regel nicht von alleine
wieder weg geht. In einem ersten Schritt werden die Vorurteile über die angeblichen
Ursachen dieser Sucht erörtert. Danach werden empirisch belegte Ursachen
erläutert und eine Begründung dafür gegeben, wie es zu einer Suchtentwicklung
kommt.
Das dritte Kapitel
zeigt dann Vorgaben auf, die Auswege aus dieser Abhängigkeit ermöglichen.
Zunächst wird die Frage erörtert, ob und in welchem Umfang kontrolliertes
Trinken oder eine grundsätzliche Abstinenz von Alkohol eine Möglichkeit
darstellt aus dem Suchtverhalten herauszufinden. Da es eine nicht
unbeträchtliche Zahl von Menschen gibt, die es selbst schaffen, mit dem Trinken
aufzuhören, werden Hinweise gegeben, wie dies gelingen kann. Im nächsten
Schritt werden Hilfen für diejenigen zusammengestellt, die alleine nicht mehr
vom Alkohol loskommen, sondern auf professionelle Hilfe angewiesen sind. Für
diese Zielgruppe wird ausführlich dargestellt, mit welchen Erfahrungen und
Schritten die Betroffenen rechnen müssen. Auch dieser Teil wird unterstützt
durch Arbeitsblätter im Anhang, die die eigene Ausgangssituation noch einmal
auf den Punkt bringen können. In diesem Zusammenhang werden insbesondere die
Ressourcen, d.h. die Selbsthilfekräfte angesprochen, und ein Bezug zu den
Angehörigen hergestellt, die in der Regel ein wichtiges stützendes Netzwerk
darstellen. Zum Schluss dieses Kapitels wird aufgezeigt, dass eine einfache
Entwöhnung sowohl in medizinischer, wie auch psychischer Hinsicht kein
einmaliger Akt darstellt, sondern für die weitere Zukunft Konsequenzen haben
muss. Häufig ist davon auszugehen, dass die mit der Alkoholabhängigkeit eingetretene
Isolierung, sowohl in der Partnerschaft wie auch in der persönlichen Umwelt und
ggf. auch auf dem Arbeitsplatz zusätzliche Anstrengungen notwendig macht, um
hier wieder abgerissene Beziehungen neu aufzubauen und sie für die Zukunft zu
nutzen, damit sich keine neue Abhängigkeit entwickeln kann.
Zur Illustration
und zur persönlichen Orientierung wird zum Schluss ein Fallbeispiel
vorgestellt. Die im Anhang befindlichen Literaturempfehlungen sind aufgeteilt
in Selbsthilfebücher und Romane, die dazu beitragen können, ein fundiertes
Verständnis der Lebenssituation zu gewinnen und gleichzeitig auch Anleitung zur
Überwindung und zur Entwicklung von Perspektiven zu geben. Ergänzt wird diese
Publikation durch Adressen von Selbsthilfegruppen und Fachverbänden, die zur
Kontaktaufnahme sowohl für Betroffene wie auch für Angehörige eine Hilfe sein
können.
Durch
Einsichtsvermittlung in die eigene Situation versucht dieser Ratgeber die
Selbsthilfekräfte zu aktualisieren und die Betroffenen zum Regisseur zu machen,
die eigene Situation in den Griff zu bekommen und sie aktiv mitgestalten zu
können. Für die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, die
schwerpunktmäßig keine Suchtberatung machen, kann diese Publikation eine
Hilfestellung für die Personengruppe darstellen, die mehr oder weniger stark
von der Alkoholabhängigkeit betroffen ist und sich auf dem Weg befindet,
Lösungsmöglichkeiten zu finden. Gleichzeitig gibt dieses Buch auch für
Angehörige eine Orientierung und kann Verständnis für die Partnerin bzw. den
Partner eröffnen, der derzeit mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat. Unter dieser
Voraussetzung gehört dieses Buch ganz sicher in jede Beratungsstelle und wird
sich als Empfehlung für die Klienten bei der Lösung ihrer Schwierigkeiten
bewähren.
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