Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

 

Dietmar Schulte, Klaus Grawe, Kurt Hahlweg & Dieter Vaitl (Hrsg.)

Fortschritte der Psychotherapie – Manuale für die Praxis – Praxisorientierte Fortbildung für Psychotherapeuten, Klinische Psychologen und Psychiater

 

Band 21

Franz Moggi & Ruth Donati

Psychische Störungen und Sucht: Doppeldiagnosen,

 Hogrefe 2004

 

Das Manual für die therapeutische Praxis findet mit dieser Ausgabe ihre Fortsetzung. Die bewährte Gliederung zeigt sich auch in dieser Veröffentlichung als übersichtliche Vorgabe.

Gegenüber den schon erschienenen Bänden fällt es bei dieser thematischen Schwerpunktsetzung nicht leicht, einen unmittelbaren Bezug zur Beratungsarbeit herzustellen, da heilkundliches Tun und die Bearbeitung einer Suchtproblematik im engeren Sinne in der Regel in den Beratungsstellen nicht stattfindet. Unter dieser Voraussetzung könnte man auf den ersten Blick auf die Idee kommen, dass dieser Band in den Bücherschrank gestellt bzw. nicht gekauft werden braucht. Dennoch werden beim Lesen zwei wichtige Aspekte deutlich:

 

¨      Durch die Anlage unserer Arbeit mit Klienten kommen wir selten in die Lage im Sinne der Doppeldiagnosen zwei parallel existierende Störungen in den Blick zu nehmen, zu bearbeiten bzw. abzuwägen, ob das gleichzeitige Auftreten dieser für den Klienten belastenden Phänomene Rückwirkungen auf unsere Arbeit haben muss. Dieser Sachverhalt wird im ersten Teil dieses Bandes dargestellt und ausgewertet sowie für die Arbeit mit den Klienten zur Anwendung gebracht. Dabei zeigt sich, dass insbesondere suchtbezogene Störungen bzw. entsprechende Abhängigkeiten in andere Störungsbilder eingreifen und/oder fördernd sein können, so dass schon überwunden geglaubte Schwierigkeiten neu aufbrechen können. Wenn die stark diagnostisch- und medizinisch geprägte Wortwahl der ersten vier Kapitel nicht abschreckt, werden dort wichtige Informationen und Impulse für die eigene Beratungsarbeit gewonnen.

¨      Mit dieser Publikation wird erstmals eine störungsbezogene Darstellung und Anwendung der von Prof. Grawe in Bern entwickelten „Psychologische Psychotherapie“ vorgestellt. Vor dem Hintergrund der Doppeldiagnosen „Psychische Störungen und Sucht“ wird dies Modell dargestellt und Schritt für Schritt erklärt und mit Formulierungsvorschlägen sowie Fallbeispielen illustriert. Auf diese Weise kann demjenigen, der sich früher mit dem Ansatz auseinandergesetzt hat, diese konkrete Umsetzung weitere Erkenntnisse liefern bzw. demjenigen, der mit der Konzeption noch nicht vertraut ist, Appetit machen, mehr von diesem Ansatz kennen zu lernen. Das vorgestellte Schrittmuster und die damit verbundenen therapeutischen bzw. beraterischen Interventionen lassen sich ohne große Mühe auch in den Beratungsbereich transferieren, so dass dieser Teil für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Beratungsstellen gewinnbringend sein wird.

Wegen der ausgewählten fachlichen Schwerpunkte wird das Buch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Beratungsstellen interessierte Leser finden, die dann auf Grund ihrer persönlichen Auseinandersetzung mit der Lektüre sicher für die Teamgespräche und im Rahmen der kollegialen Supervision eine Fülle von Anregungen zur Verfügung haben, die weiter verfolgt und vertieft werden können bzw. sollten. Vor diesem Hintergrund ist es den Autoren gelungen, höchst theoretische und konzeptionelle Aspekte mit therapeutischem Handeln zu assoziieren, so dass damit dieser Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ im wahrsten Sinne des Wortes entsprochen wird.

 

 

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