Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Dietmar Schulte, Klaus Grawe,
Kurt Hahlweg & Dieter Vaitl (Hrsg.)
Fortschritte der Psychotherapie –
Manuale für die Praxis – Praxisorientierte Fortbildung für Psychotherapeuten,
Klinische Psychologen und Psychiater
Jörg
Petry
Glücksspielsucht – Entstehung, Diagnostik und
Behandlung
Hogrefe, Göttingen 2003
Auswertungen im Hinblick auf die Klienten
der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen zeigen, dass ca. 5 % wegen eines
suchtbezogenen Anlasses eine institutionelle Ehe-, Familien- und
Lebensberatungsstelle aufsuchen. 0,5 % berichten von Schwierigkeiten im Zusammenhang
mit ihrer Spielsucht. Diese Zahlen zeigen, dass im Team einer Beratungsstelle
eine Kollegin bzw. ein Kollege vorhanden sein sollte, der mit der
Suchtproblematik im allgemeinen und, je nach Region, auch mit dem Phänomen der
Glücksspielsucht vertraut sein sollte. Die Publikation von Petry
kann dazu beitragen eine etwaige Lücke zu diesem Problemfeld zu schließen bzw.
schon informierte Kolleginnen und Kollegen den neuesten Entwicklungsstand zu
vermitteln.
Diese
Publikation orientiert sich an dem Schema der Publikationsreihe „Fortschritte
der Psychotherapie – Manual für die Praxis – Praxisorientierte Fortbildung für
Psychotherapeuten, klinische Psychologen und Psychiater“, wie sie im gleichen
Verlag erscheint. Damit ist die Übersichtlichkeit und
die Reduktion auf wesentliche Informationen zu diesem Themenfeld gewährleistet.
Der Autor beschreibt zunächst das Störungsbild mit seinen unterschiedlichen
Facetten. Daran anschließend (Kapitel 2) werden die unterschiedlichsten
Varianten des Glücksspiels vorgestellt. Auf diese Weise bekommen die Personen,
die auf diese Weise ihr „Glück“ versuchen, schon ein gewisses typisches
Erscheinungsbild, obwohl diesen Varianten auch ein gemeinsames Fundament
zugrunde liegt. Erhellend ist die Darstellung der Störungstheorien und –modelle. Auf Grund der eigenen fachlichen Prägung kann hier
der neueste Erkenntnisstand gewonnen werden sowie die unterschiedliche
Sichtweise der Erklärungsmodelle die eigene Position ergänzen und/oder
relativieren. Daraus abgeleitet wird der Diagnostikprozess und
Indikationsstellung erörtert.
Für den Praktiker ist das Kapitel 5
(Behandlung) eine Fundgrube, die Anregungen für den grundsätzlichen Umgang und
auch im speziellen im Hinblick auf die Spielsucht gewonnen werden können. Wenn
auch die Beratungsarbeit hier nicht unmittelbar abgebildet ist, so kann der
Leser doch eine Vielzahl von Hinweisen gewinnen, die für seinen Umgang mit
Personen, die sich in einer „Abhängigkeit“ befinden, dienen werden.
Gleichzeitig wird die Kompetenz erweitert, um schon frühzeitig ausmachen zu
können, ob eine diagnostische Phase während der Beratung einzufügen ist, die
abklärt, ob eine Überweisung an einen Suchtexperten notwendig wird. Um dies
auch für die in der Beratung Tätigen zu ermöglichen, findet sich ein vom Autor
entwickelter „Kurzfragebogen zum Glücksspielverhalten (KFG)“ mit einer Anleitung
zur Auswertung der für den Beratungsbereich einsetzbar ist. Grundlage für die
Auswertung ist eine Eichstichprobe von 558 Personen. Angaben zur
Weiterführenden Literatur und zusätzliche Instrumente zur Anamnese und
Diagnostik sowie Vorgaben für eine Finanzplanung etc. runden diese Publikation
ab, so dass sie für den Praktiker in den Stellen bzw. in diesem Feld eine Hilfe
sein kann. Im letzten Kapitel (Effektivität) wird verdeutlicht, dass in diesem
Bereich zwar einige Erfolge erzielt werden können, das wissenschaftliche Bild
jedoch nicht eindeutig ist. Deshalb ist anzuraten, dass auch in diesem Bereich
eine Kooperation zwischen denjenigen angezielt und stattfindet, die bereit
sind, ihr beraterisches und therapeutisches Handeln an operationalisierbaren
Zielen verbunden mit einer empirischen Begleitforschung orientieren. Denn nur
auf diese Weise wird es gelingen Personen, die sich in dem „Teufelskreis der
Spielsucht“ befinden, bei ihren Bemühungen davon Abstand zu nehmen, besser
unterstützen zu können. Ein solches Vorgehen ist ethisch geboten, weil die mit
dieser Suchtvariante verbundenen Folgeschäden sowohl für die Einzelpersonen wie
auch den Ehepartner, die Kinder und die Gesellschaft so groß sind, dass ein
kompetenteres und somit auch erfolgreicheres Angebot gemacht werden muss.
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