Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn , 4 -2007

 

 

 

John P.J. Pinel, Paul Pauli (Hrsg.)

Biopsychologie

Pearson Studium, München, 2007, 59, 95 €

 

Spätestens seit die Möglichkeit besteht, durch die Methoden der funktionellen Bildgebung Bereiche des Gehirns zu untersuchen, die aktiv sind, während Versuchspersonen mit bestimmten kommunikativen Prozessen beschäftigt sind, wie z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, haben die Forschungsergebnisse der Biopsychologie Eingang in Therapie und Beratung gefunden. Ein Beispiel dafür ist sicherlich das letzte Werk von Klaus Grawe: Neuropsychotherapie. John P. Pinel ist es gelungen, dem Leser sehr anschaulich, fesselnd und leicht verständlich eine Einführung in die theoretischen und experimentellen Grundlagen der Biopsychologie zu geben. Neben der Vermittlung von Fakten, neueren Befunden, Konzepten, Gehirnstrukturen ist es dem Autor ein besonderes Anliegen, eine bestimmte Haltung zu vermitteln, wie der Leser mit diesen Informationen umgehen kann. So werden wir zum Beispiel von den Medien, Freunden oder Verwandten häufig mit Informationen und Meinungen von biologisch psychologischer Relevanz gefüttert. Statt diese passiv zu konsumieren soll die Lektüre des Buches helfen, nichts unüberprüft zu lassen sondern statt dessen die Plausibilität verschiedener Behauptungen abzuwägen und ihre Relevanz für die eigenen sozialen Ansichten und den eigenen Lebensstil zu prüfen. Solche Abschnitte Buches sind mit einem Hinweisschild Kritisches Denken versehen. Da vieles von dem, was Biopsychologen über die Funktionsweise des Gehirns gelernt haben, aus Untersuchungen über das erkrankte oder verletzte Gehirn stammt, sind klinische Überlegungen bezogen auf Krankheit und Behandlung eng mit der Biopsychologie verwoben. So bekommt der Praktiker in Beratung und Therapie wichtige Impulse zu verstehen, um daraus Handlungsstrategien abzuleiten. Ein Standardwerk, das in keiner Beratungsstelle fehlen sollte.

 

Dr. Rudolf Sanders