Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

 

Marshall B. Rosenberg

Erziehung, die das Leben bereichert. Gewaltfreie Kommunikation im Schulalltag.

Junfermann Verlag, Paderborn 2004

 

 

Der Begründer des Center for Nonviolent Communication beschreibt in seinem jetzt in deutscher Sprache vorliegenden Werk seine Vision über die Zukunft der Erziehung. In dieser ist die Unterordnung unter Autoritäten nachrangig. Zugegebenermaßen ist eine solche Aussage zunächst irreführend. Im Verlauf seines Buches räumt er aber aufkommende Bedenken dezidiert aus. Ziel seiner Vision ist die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse, nämlich unser Leben und das unserer Mitmenschen schöner zu machen durch die Schaffung lebensbereichernder Organisationen, in denen sich eine lebensbereichernde Erziehung (Life-Enriching Education) entfalten lässt ganz im Gegensatz zur vorherrschenden dominanzorientierten Erziehung (Domination Education).  In diesen lebensbereichernden Organisationen geht es um Fairness und Gerechtigkeit bei der Verteilung von Ressourcen und Privilegien. Führungspersönlichkeiten dienen ihren Auftraggebern und versuchen nicht diese zu beherrschen. Gesetze, Regeln und Bestimmungen werden im Schulalltag von allen Beteiligten gemeinsam festgelegt und daher auch verstanden und bereitwillig akzeptiert.

Grundlage einer lebensbereichernden Erziehung ist eine neu zu erlernende Sprache, die gewaltfreie Kommunikation (GFK). In dieser werden Beobachtungen von Bewertungen getrennt, Gefühle wahrgenommen und ausgedrückt, Bitten formuliert, die unsere Bedürfnisse erfüllen. Anhand von Übungen werden die einzelnen Schritte gut nachvollziehbar dargestellt. So wird deutlich, dass die bisher in Schulen und im Alltag vorherrschende Sprache sehr dominanzorientiert ist.

Voraussetzung für das Erlernen der gewaltfreien Kommunikation ist ein empathisches oder einfühlsames Hören. Erst dadurch erfährt der Zuhörer die wirklichen Gefühle und Bedürfnisse seines Gegenüber. Rosenberg verdeutlicht den Nachteil des bisherigen nicht empathischen Hörens an folgendem Beispiel: „Wir sollten es nicht dem Mann in dem Cartoon gleichtun, der auf die Bemerkung seines Freundes, `Ich habe das Gefühl, dass du mir gar nicht zuhörst, wenn ich mit dir rede´ antwortet: `Du hast recht. Ich höre lieber dem zu, was ich als nächstes sagen werde, als dem, was du im Augenblick sagst

Durch empathisches Hören ist es gerade im Schulalltag möglich, selbst lernunwillige Schüler zu motivieren wieder in den Unterrichtsprozess einzusteigen und Interdependenz (Gemeinsinn) zu entwickeln.

Die Verwirklichung von Rosenbergs Vision ist kein einfacher Weg. Es ist aber ein lohnenswerter Prozess, der das bisherige Konkurrenzdenken in Erfolgreiche und Verlierer überwindet am Ende nur Gewinner hervorbringt.

 

Ehrenfried Erbsch, Berufsschulpfarrer Lüdenscheid

 

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