Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn , 2 -2007

 

 

Rainer Sachse & Peter Schlebusch (Hrsg.)

 

Perspektiven klärungsorientierter Psychotherapie

Papst Science Publishers 2006, Lengerich, 30 €

 

Die klärungsorientierte Psychotherapie (KOP) ist eine eigenständige Therapieform. Sie ist dann indiziert, wenn es beim Klienten um die Klärung und Veränderung problemdeterminierter kognitiver oder affektiver Schemata geht oder wenn das Problem des Klienten auf eine Entfremdung vom eigenen Motiv- und Bedürfnissystem zurückzuführen ist. Zentraler Aspekt dieses Ansatzes ist die Herstellung einer validen Repräsentation relevanter Schemata als Ausgangspunkt weiterer therapeutischer Bearbeitung. Die KOP geht davon aus, dass erst durch diese Validierung der Repräsentation es möglich wird, neue Verhaltensmuster zu trainieren. Der Gegensatz dazu wäre, das man lediglich ein neues Schema neben ein altes Schema setzen würde. Statt dessen versteht der Klient jetzt, warum es Sinn macht, Ressourcen zu aktivieren, Kompetenzen zu trainieren oder eine kognitive Umstrukturierung durchzuführen, da ihm nun klar ist, was genau umstrukturiert werden muss.

Eine Klärung selbst schädigender Schemata ist deshalb so wichtig, da diese dazu neigen, Informationen systematisch so zu verzerren, dass Schemata immer wieder bestätigt werden. Sie neigen außerdem dazu, den Klienten zu Verhaltensweisen zu veranlassen, die seine Schemata durch selbsterfüllende Prophezeiungen bestätigen. Daraus ziehen Klienten dann den Schluss, dass ihre alten Erfahrungen die Gültigkeit ihrer Schemata schlüssig beweisen. Tatsächlich handelt es sich hier jedoch um Pseudo Beweise und dies sollte dem Klienten klar werden: die Beweise, die er für die Gültigkeit seiner Schemata zu Felde führen kann, beweisen nur, dass Schemata existieren, keineswegs, dass sie "wahr" sind.

Für Kolleginnen im Bereich der Suchtberatung (aber auch alle, deren Anliegen es ist, dazu zu helfen, dass nahe persönliche Beziehung gelingen) wird insbesondere das Kapitel 4 von großem Interesse sein. Auf der Basis der PSI Theorie (Persönlichkeits-System-Interaktion) wird der Vorschlag gemacht, Alkoholismus als eine Störung der Affektregulation zu verstehen. In dieser Theorie wird im Gegensatz zu eigenschafttheoretischen oder faktorenanalytischen Ansätzen Persönlichkeit nicht als ein mehr oder weniger statisches Ensemble von Dimensionen aufgefasst, sondern als ein dynamisches System interagierender psychischer Makrosysteme.

Bei dem Ansatz handelt es sich um eine empirisch fundierte Therapieform, die Konzepte der therapeutischen Beziehungsgestaltung, der Klärung und Repräsentation problemrelevanter Schemata, der Bearbeitung von Vermeidung, der Bearbeitung von dysfunktionalen Beziehungsmustern oder Umstrukturierung kognitiver und affektiver Schemata umfasst. Der Leser bekommt einen fundierten Überblick über theoretische Grundlagen, Interventionskonzepte sowie Schlussfolgerungen, die bisherige Konzepte psychotherapeutischen Vorgehens in Frage stellen. (Siehe dazu auch die Besprechung in dieser Ausgabe von Young: Sein Leben neu erfinden bzw. die Besprechung von Young et al. Schematherapie in Beratung Aktuell 4 - 2005).

Dr. Rudolf Sanders