Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn , 2 -2007

 

 

Konrad Stauss
Bonding Psychotherapie - Grundlagen und Methoden
Kösel Verlag 2006, München 27,95 €

 

Bonding, nicht sexuelle Berührungen und emotionale Offenheit, wird in dieser Form der Therapie als wichtige Voraussetzung für seelische Gesundheit angesehen. Kommt es zu mangelnder Befriedigung dieses psychosozialen Grundbedürfnisses, sind seelische Störungen die Folge. Darüber hinaus wird die Befriedigung des Bedürfnis nach Bindung, Autonomie, Selbstwert, Identität, Lust, Sinn und Spiritualität als zentral angesehen. So sind seelische Gesundheit bzw. Störungen immer Ausdruck gelungener oder misslungener Formen der Beziehungsgestaltung. Da die Therapieforschung für Veränderung zwischenmenschlicher Beziehungsmuster die Arbeit in und mit Gruppen empfiehlt, ist die Bonding Psychotherapie folgerichtig auch als Gruppenmethode konzipiert. In dieser lernen die Klienten ihr unsicheres Bindungsverhalten, gekennzeichnet durch Angst vor Nähe und Trennung sowie durch mangelndes zwischenmenschliches Vertrauen - ein früh gelernt Muster aus Kindertagen - in Richtung eines sicheren Bindungsverhaltens zu verändern. Neurobiologische Erkenntnisse, dass positive zwischenmenschliche Erfahrungen vor den Auswirkungen von Stresserlebnissen schützen, lassen eine neue Dimension der Beziehungsverantwortung sich selbst und anderen gegenüber erwachsen. Diese mündet dahin, mit seiner sozialen Umwelt sich so zu verhalten, dass man sich gegenseitig ermöglicht, die psychosozialen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die Bonding Psychotherapie hat sich in langjähriger klinischer Praxis zu einer wirksamen, prozess- und erfahrungsorientierten Therapie der Beziehungsfähigkeit entwickelt. Mit diesem Buch wird eine differenzierte Theorie vorgestellt, die auf den Erkenntnissen der Neurobiologie, Psychotherapieforschung und Bindungsforschung beruht. Auch wenn in Beratungsstellen normalerweise keine Psychotherapie geleistet wird, sind es doch in der Regel Beziehungsfragen, die Ratsuchende zu uns führen. Das vorliegende Buch, verständlich geschrieben und empirisch fundiert gibt eine Fülle an Anregungen, Interaktionsstörungen in nahen Beziehungen zu verstehen und Hinweise der Bewältigung. So eignen sich etwa einzelne Abschnitte hervorragend, im Rahmen von Psychoedukation Ratsuchenden ein Erklärungsmodell für die Grundlagen ihrer Beziehungsstörungen zu geben.

Dr. Rudolf Sanders