Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Sibylle Tobler
Arbeitslose beraten unter Perspektiven der
Hoffnung - Lösungsorientierte Kurzberatung in beruflichen Übergangsprozessen
Kohlhammer Verlag
Stuttgart, 2004 € 30
Die anhaltend hohe
Arbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft hat vielfältige Auswirkungen auf die
Lebenswirklichkeit heute. Menschen sind gegenwärtig immer mehr mit beruflichen
Veränderungen, auch mit Arbeitslosigkeit konfrontiert. Betroffene müssen nicht „nur“ eine Stelle
finden. Sie sind herausgefordert, sich unter veränderten Rahmenbedingungen zu
orientieren und neu zu positionieren. Häufig stehen sie alleine vor dieser Herausforderung
und sind mit sozialen Stigmatisierungen konfrontiert, denn Arbeitslosigkeit
wird auch heute noch oft als individuelles Fehlverhalten gedeutet. Die Kirchen
haben in dieser Situation sehr schnell erkannt, dass Unterstützung Not tut und
kirchliche Hilfs- und Beratungsangebote eingerichtet, die oftmals nicht in
einem direkten religiösen Kontext zu stehen scheinen. Sie leisten den
betroffenen Arbeitssuchenden Menschen konkrete Hilfe bei der Bewältigung
beruflicher Umbrüche. An diesem Punkt setzt das vorliegende Buch an. Es ist vom
Ziel geleitet, Grundlagen einer theologisch reflektierten Beratungspraxis zu
entwickeln, mit deren Hilfe die Ressourcen von Menschen in Situationen der
Arbeitslosigkeit in den Blick kommen und unterstützt werden. Die Autorin
beschreibt ihren Gedankenansatz in drei Schritten. Nach einer methodischen und
theologischen Verortung folgt ein ausführlicher Theorieteil. Hier werden die
drei inhaltlichen Bereiche der „Arbeitslosigkeit“, der „lösungsorientierten Kurzberatung“ und der
„Hoffnungsthematik“ vorgestellt und in einen neuen Zusammenhang gebracht. Dabei
richtet die Autorin den Blick besonders auf die Querverbindungen und entdeckt
darin neues Potential für die Arbeitslosenberatung. Im dritten Teil findet der
Leser ein inzwischen erprobtes Beratungsmodell, das die Bewältigung von
Arbeitslosigkeit unterstützt. Vor dem Hintergrund der Hoffnungsthematik wird
ein Beratungskonzept für Arbeitslose entwickelt auf der Grundlage der
lösungsorientierten Kurzberatung von Steve De Shazer.
Ratsuchende werden ermutigt, Lösungen für ihre Anliegen zu entwickeln und durch
die Auseinandersetzung mit ihrem Hoffnungsverständnis Sinndeutungen zu klären
und Ressourcen zu erschließen. Beispiele aus Beratungssequenzen und einzelne
Interventionsbeispiele verdeutlichen anschaulich, wie mit dem Modell gearbeitet
werden kann.
Das Buch bietet
sowohl einen ausführlichen Theorieteil mit vielen Literaturhinweisen, als auch
die Beschreibung dieses Praxismodells und ist daher für unterschiedliche
Zielgruppen geeignet. Wissenschaftler werden diese Abhandlung als eine
gelungene Integration von zentralen wissenschaftlichen Ergebnissen der
Arbeitslosenforschung und der wissenschaftlichen Aufarbeitung einer
beachtenswerten Praxiserfahrung lesen; Praktiker finden viele Anregungen für
eine kreative und wissenschaftlich angeleitete Praxis; Theologen finden die
Reflexion einer theologischen Beratungspraxis in einem gesellschaftlichen
Bereich, in dem zunehmend mehr Menschen vom Risiko sozialer Ausgrenzung bedroht
sind. Für die Institution Kirche wird
ein theologischer Begründungszusammenhang für die Beratungsarbeit mit
arbeitslosen Menschen aufgestellt. Das Buch ist die gekürzte Fassung der 2003
abgeschlossenen Dissertation der Autorin. Dies zeigt sich im sehr kleinteilig
systematisierten Aufbau des Buches, der manchmal etwas verwirrt und den
Lesefluss beeinträchtigt. Dennoch liegt hier für alle in diesem Feld
Forschenden oder Praktizierenden ein sehr lesenswertes Buch mit bereichernden,
interessanten und überraschenden Gedankengängen vor.
Brigitte Duwe
Zurück zu
den Buchbesprechungen