Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
, 1 -2007
Elternkurse auf dem Prüfstand.
Wie Erziehung wieder Freude macht.
Leske + Budrich. Opladen 2003 16,90 €
Super
Nanny, Elternschulen, Erziehungsnotstand oder gar die „Erziehungskatastophe“ –
das Thema Kindererziehung hat allerorten Hochkonjunktur. Da kommt ein Buch,
das Orientierung verspricht, indem Elternkurse „auf den Prüfstand“ gestellt
werden, gerade zur rechten Zeit.
Zunächst
erarbeitet und erörtert die Autorin Grundlagen und Kerndimensionen entwicklungsförderlichen
Erziehungsverhaltens (wie z.B. liebevolle Zuwendung, Achtung und Respekt,
Verbindlichkeit und Grenzsetzung). In einem weiteren Kapitel werden diejenigen
Faktoren und Interaktionsformen betrachtet, die eine gesunde kindliche
Entwicklung hemmen bzw. gefährden (insbesondere psychische und physische
Gewalt).
Im
Kern ihres Buches vergleicht die Autorin dann vier recht unterschiedliche
Elternkurskonzepte im Hinblick auf deren Ziele, Inhalte, Methoden und
Schwerpunkte. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um (a) das Kurskonzept des
Deutschen Kinderschutzbundes Starke Eltern – Starke Kinder®, (b) das
Triple P-Konzept (Positive Parenting Program), das an der University of Brisbane (Australien) von der
Arbeitsgruppe um Matthew Sanders entwickelt wurde und von Kurt Hahlweg
(Technische Universität Braunschweig) an deutsche Gegebenheiten adaptiert wurde
(c) den STEP (Systematic Training for Effective Parenting)-Elternkurs
sowie (d) „den Erziehungsführerschein“, der vor allem regional (Kreis Viersen)
sehr bekannt geworden ist.
Es
wird heraus gearbeitet, dass diese vier Konzeptionen zum Teil auf ganz
unterschiedlichen theoretischen Zugängen und Menschenbildern basieren. Die
Autorin vermittelt auch einen guten Einblick in die kritische Diskussion, die
sich in Deutschland um das Triple P-Programm entfacht hat: Während auf der
einen Seiten beklagt wird, dass Triple P wie eine kochbuchhafte Erziehungsanleitung
anmute, die viel zu rigide und dressurmäßig sei, weisen die Vertreter dieses
Ansatzes darauf hin, dass Triple P Vorschläge vermitteln möchte, die allerdings
in der Tat sehr konkret ausfallen, damit Eltern in schwierigen Erziehungssituationen
auch tatsächlich auf alternative Strategien und Verhaltensweisen zurückgreifen
können. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass Tschöpe-Scheffler selbst
Triple P weniger als präventives Elternkurskonzept versteht, sondern eher als
ein therapeutisches Interventionsprogramm einordnet, das für Familien mit –
wie sie es formuliert – „medizinisch-psychologischer Indikation“ geeignet sei.
Mit Abstand am ausführlichsten und differenziertesten wird dann auch der von
der Autorin favorisierte und evaluierte Elternkurs Starke Eltern – Starke
Kinder® behandelt. Diesbezüglich findet sich ein eigenes umfangreiches
Kapitel, in dem die entsprechenden Evaluationsergebnisse dargestellt werden.
Leider wird die Aussagekraft der dargestellten Befunde nicht unwesentlich dadurch
geschmälert, dass eine Vielzahl an statistischen Einzelvergleichen berechnet
wurde – ohne dabei mathematisch zu
berücksichtigen (oder zumindest darauf hinzuweisen), dass bei einer solchen
Fülle an Einzelvergleichen etliche Signifikanztests zufällig signifikant
werden.
Dennoch
ist das Buch zusammengenommen durchaus lesenswert und interessant, schließlich
gelingt es, die Bedeutung von präventiven Angeboten für Eltern zu vermitteln.