Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn , 3 -2007

 

Rosemarie Welter-Enderlin

Einführung in die systemische Paartherapie

Carl-Auer Verlag Heidelberg 2007 ,12,95 €

 

Für mich gehört dieses kleine Bändchen zu den Perlen paartherapeutischer Fachliteratur. Es bietet die Quintessenz einer langen paartherapeutische beruflichen Identität. Ich merke das an den vielen Unterstreichungen und Ausrufezeichen mit denen ich  beim Durcharbeiten dieses Textes meine Zustimmung ausdrücke. Einfach herrlich, wie sie manche therapeutische "Glaubenssätze" in Frage stellt. So etwa die Forderung als Grundlage von einem Paar einen klaren Arbeitsauftrag zu bekommen der dann in einen Arbeitsvertrag mündet. Denn dabei handelt es sich um eine schöne, aber  - da einseitig auf Vernunft bezogene  - unverhältnismäßige Forderung. Denn Menschen in Krisen sind durch Fragen nach ihrem therapeutischen Auftrag wie auch nach dem Konzept eines Arbeitsvertrages oft verwirrt, weil sie nicht wie Kunden im Lebensmittelgeschäft bereits wissen, was sie kochen wollen und welche Produkte sie dafür brauchen. Und sie macht kritisch aufmerksam dass diejenige, die als Therapeutin auf der Formulierung eines Auftrages besteht und nicht bereit ist, für die oft mühsame Suche nach spezifischen Anliegen Zeit und einen sicheren emotionalen Rahmen anzubieten, am ganz gewöhnlichen Chaos moderner Liebe leicht scheitern kann. Statt dessen gilt es, den therapeutischen Prozess in der Begegnung mit Menschen in instabilen Lebensphase und zu uns kommen zu rahmen. Dabei geht es um eine Struktur des Fall Verstehens in der Begegnung. Dazu ist es notwendig, dass die Beraterin als rahmendes System Verantwortung für die Vermittlung von Konstanz und Vorhersehbarkeit und für die Schaffung einer emotionalen sicheren Basis übernimmt. Auf diesem ist es dann möglich, zur Klärung von Anliegen und Aufträgen der Klienten überhaupt erst zu kommen.

Die Autorin kennt das Problem, das "Systemisch" zu einem Modewort geworden ist. Es passt aber deshalb gut der Beschreibung der Paartherapie, weil es sich klar abgrenzt von tiefenpsychologischen Ideen, die aus einem linearen Modell als eine Ursache - Wirkung Denken abgeleitet werden und in denen die Suche nach Pathologie im Vordergrund steht. Da aber Beziehungen, als das Thema von Paarberatung gelten , in denen das Tun es einen das Tun des anderen voraussetzt und bedingt, nützen Übertragungen aus der individuellen Psychopathologie auf eine Paarbeziehung wenig. So sind Krisen ein Ausdruck von individueller Anlage und von biologisch bedingten Lebensthemen, die den "Ton angeben" dafür, wie jeder der beiden auf die Krise reagiert. Sie sind, als im Körper verankerte Sehnsüchte und Ängste, auch für sexuelle Vorlieben oder Vermeidungen zuständig.

Dr. Rudolf Sanders