Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn

Gordon Wheeler & Stephanie Backman

Gestalttherapie mit Paaren. Peter Hammer Verlag. 1999, Wuppertal

 

Kollegen, die das Gestaltmodell nicht oder nur ansatzweise kennen, verbinden häufig zumindest Vorstellung, dass es etwas mit Experimentieren zu tun hat, mit dem Ausprobieren von neuem Verhalten. Das Buch gibt eine breite Übersicht, was „Gestalt“ wirklich bedeutet, und welche Möglichkeiten es für die klinische Praxis mit Paaren bringt. Deutlich wird, dass der Handlung im Gestaltansatz nicht sehr viel Platz eingeräumt wird. Vielmehr liegt die Betonung ganz deutlich auf der Veränderung des Gewahrseins, der Organisation der Wahrnehmung, dem Gefühl und der Bedeutung und zwar einfach deshalb, weil die Dynamik der Wahrnehmung und die Bedeutung als die gegenwärtig relevanten Determinanten des Verhaltens betrachtet werden. So gilt das Experiment als Vorschlag, neues Verhalten auszuprobieren, mit dem Ziel neue Organisationsformen der Wahrnehmung kennen zulernen. Ein „Spielen“ mit der Sicht der Welt des Partners oder der eigenen und den Möglichkeiten, die dann diese andere Sicht in der Veränderung des Gefühls mit sich bringt. In der Einführung werden an einfachen Beispielen die wichtigen Gestaltannahmen  etwa von Figur und Hintergrund, der Bedeutung von Grenzen und dem Umgang mit Energie sehr anschaulich erklärt und daraus abgeleitet, wie der Gestaltansatz sich für die Arbeit mit Paaren bewährt. Bei dem Buch handelt es sich um eine Übersetzung einer amerikanischen Ausgabe, in welcher vor allem amerikanische aber auch europäische Autoren zu Worte kommen. Das Spektrum reicht von theoretischen Überlegungen, über Aufsätze zur Praxis, wie etwa der Therapie mit wiederverheirateten Paaren, der Praxis mit lesbischen Paaren als auch dem Eröffnen von Perspektiven, wie etwa dem Umgang mit dem Thema Scham oder dem Thema Intimität und Macht in langjährigen Beziehungen. Alles in allem bietet das Buch einen guten Überblick über den gegenwärtigen Stand der Gestalttherapie mit Paaren und gibt dem Praktiker viele Anregungen, seinen Horizont in der Arbeit zu erweitern.

 

Dr. Rudolf Sanders

 

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