Besprechung aus: Beratung Aktuell,
Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag
Paderborn
Gestalttherapie
mit Paaren.
Peter Hammer Verlag. 1999, Wuppertal
Kollegen,
die das Gestaltmodell nicht oder nur ansatzweise kennen, verbinden häufig
zumindest Vorstellung, dass es etwas mit Experimentieren zu tun hat, mit dem
Ausprobieren von neuem Verhalten. Das Buch gibt eine breite Übersicht, was
„Gestalt“ wirklich bedeutet, und welche Möglichkeiten es für die klinische
Praxis mit Paaren bringt. Deutlich wird, dass der Handlung im Gestaltansatz
nicht sehr viel Platz eingeräumt wird. Vielmehr liegt die Betonung ganz
deutlich auf der Veränderung des Gewahrseins, der Organisation der Wahrnehmung,
dem Gefühl und der Bedeutung und zwar einfach deshalb, weil die Dynamik der
Wahrnehmung und die Bedeutung als die gegenwärtig relevanten Determinanten des
Verhaltens betrachtet werden. So gilt das Experiment als Vorschlag, neues
Verhalten auszuprobieren, mit dem Ziel neue Organisationsformen der Wahrnehmung
kennen zulernen. Ein „Spielen“ mit der Sicht der Welt des Partners oder der
eigenen und den Möglichkeiten, die dann diese andere Sicht in der Veränderung
des Gefühls mit sich bringt. In der Einführung werden an einfachen Beispielen
die wichtigen Gestaltannahmen etwa von
Figur und Hintergrund, der Bedeutung von Grenzen und dem Umgang mit Energie
sehr anschaulich erklärt und daraus abgeleitet, wie der Gestaltansatz sich für
die Arbeit mit Paaren bewährt. Bei dem Buch handelt es sich um eine Übersetzung
einer amerikanischen Ausgabe, in welcher vor allem amerikanische aber auch
europäische Autoren zu Worte kommen. Das Spektrum reicht von theoretischen
Überlegungen, über Aufsätze zur Praxis, wie etwa der Therapie mit
wiederverheirateten Paaren, der Praxis mit lesbischen Paaren als auch dem
Eröffnen von Perspektiven, wie etwa dem Umgang mit dem Thema Scham oder dem
Thema Intimität und Macht in langjährigen Beziehungen. Alles in allem bietet
das Buch einen guten Überblick über den gegenwärtigen Stand der Gestalttherapie
mit Paaren und gibt dem Praktiker viele Anregungen, seinen Horizont in der
Arbeit zu erweitern.
Dr. Rudolf Sanders