Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis
der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn
Jeffrey E. Young, Janet S. Klosko &
Marjorie E. Weishaar
Schematherapie
Junfermann Verlag Paderborn 2005
In der Beratung treffen wir immer wieder auf Menschen,
die ihr Handeln so ausrichten, dass sie genau das, was sie wollen nicht bekommen, ja sogar so, dass sie
selbst aktiv dazu beitragen, ihre Grundbedürfnisse nicht zu befriedigen. Und
nicht selten machen sie andere dafür verantwortlich, statt ihre eigene Rolle in
diesem unglücklichen Spiel zu erkennen. Eine zentrale Quelle für dieses Handeln
sehen die Autoren in maladaptiven Schemata. Dabei handelt es sich um sehr umfassende, die eigene Person und die
Beziehungen zu anderen Menschen betreffende Themen oder Muster, die in
signifikantem Maße dysfunktional sind. Sie umfassen Erinnerungen, Emotionen,
Kognitionen und Körperempfindungen. Diese Schemata entstehen insbesondere in
der Kindheit und entwickeln sich während des ganzen Lebens weiter. Sind sie
zunächst in der Umgebung des Kindes, als Bewältigungsmuster angemessen, werden
sie im Lauf des Lebens unpassend und verlieren so ihren Sinn. Auf Grund ihrer
intensiven neuronalen Bahnung im Gehirn beeinflussen sie in starkem Maße, wie Menschen denken, fühlen, handeln und
zu anderen Menschen in Beziehung treten. Schemata werden aktiviert, wenn
Menschen mit Umgebungen konfrontiert werden, die diese an Situationen aus ihrer
Kindheit erinnern, in denen das betreffende Schema entstanden ist. Das lässt
verstehen, dass bei manchen Paaren dann die
große Krise ausbricht, wenn sie Eltern werden. Diese Situation - das nahe
Zusammensein, das in hohem Maße aufeinander Angewiesensein in der Fürsorge für
das Baby und Kleinkind - lässt alte maladaptive Muster wach
werden.
Das Therapie Modell beinhaltet 18 Schemata, die in fünf
allgemeineren Kategorien emotionalen Bedürfnissen zuordnet werden. So etwa die
von „Verlassenheit“, „Emotionaler Entbehrung“, „Versagen“, „Überhöhte Standards“.
Mit Hilfe dieser Schemata werden dann für maladaptive Verhaltensweisen, etwa
„dem Hängen am Partner und gleichzeitig an ihm ersticken bis dieser ihn weg
stößt“, dem Klienten plausible Entstehungsmodelle für die heutigen
dysfunktionalen Verhaltensweisen vermittelt. Das Verstehen dieser bietet
seinerseits dann die Möglichkeit, angemessene funktionale Verhaltensweisen, als
Gesunder Erwachsener zu lernen. Dabei
kommt der therapeutischen Beziehung - die man auch als „Nachbeeltern“
bezeichnen kann – eine zentrale Bedeutung zu. Sie vermittelt dem Patienten
förderliche Erfahrung, die er mit den eigenen Eltern nie machen konnte. So
entwickelt er durch Vorbild und Unterweisung fehlende Kompetenzen.
Richtungsmäßig handelt es sich dabei um eine Fortentwicklung der kognitiven
Verhaltenstherapie.
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