Besprechung aus: Beratung Aktuell, Fachzeitschrift für Theorie und Praxis der Beratung, Junfermann Verlag Paderborn , 2 -2007

 

 

Andreas Zimmer und Christian Schreiber (Herausgeber)

Zukunft der Erziehungsberatung

Herausforderungen und Handlungsfelder

Juventa Verlag Weinheim und München 2006, 22 €

 

Angesichts des öffentlichen Interesses an Erziehung, ausgelöst durch den Pisa Schock, kritische Beiträge wie Veröffentlichungen zur "Erziehungskatastrophe", oder die große Einschaltquote bei der "Super Nanny" müssten eigentlich Institutionen und Einrichtungen, die sich den Herausforderungen der Erziehung stellen, von der Frühforderung über die Kindertagesbetreuung bis zu Schule, von der Kinder- und Jugendarbeit über die Familienbildung bis hin zu den Erziehungsberatungstellen, sich um ihre Existenz keine Sorge machen. Aber angesichts des Mangels an öffentlichen Geldern ist dem ist nicht so. Und deshalb ist es gut, dass Veröffentlichungen wie diese aufzeigen, wie durch Erziehungsberatung Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit zur Förderung von Kindern und Jugendlichen gegeben werden kann. So zeigt etwa Ulrich Gerth in seinem Beitrag auf, wie Kolleginnen der Erziehungsberatung im Kontext erzieherischer Hilfen zu Spezialisten für "harte Fälle" werden können . Denn diese Kinder und Jugendlichen brauchen nämlich keine harten Typen, die sie knacken, sondern Menschen, die ihnen helfen können, Verhärtungen zu überwinden. Kolleginnen aus Münster skizzieren in ihren "Sozialraumprojekten", welche Chancen und Möglichkeiten aber auch welche Anforderungen und Risiken für die Arbeit einer Erziehungsberatungstelle damit verbunden sein können. Sie weisen insbesondere auf vier Aspekte hin, die eine zeitgemäße Erziehungsberatung kennzeichnet. Das sind zum einen Konzepte, um Menschen in benachteiligten Milieus zu erreichen. Dann Projekte, wie ein Zirkus, eine Alternative Schule oder ein Stadtteilbüro, welche therapeutische Effekte erzielen, ohne selbst Therapie zu sein. Ferner handelt es sich um Maßnahmen zur Strukturverbesserung im Stadtteil, um Menschen zu erreichen, die zunächst keine Erziehungsfragen haben. Denn niederschwellige Erziehungsberatung hat insbesondere das Ziel, isolierte Familien, zum Beispiel solche, die keine Hilfe in Anspruch nehmen und deren Kinder nicht in den Kindergarten gehen durch lebensweltorientierte Projekte sozial zu stärken und in das Leben im Stadtteil einzubinden. Barbara Rinkowski weist in ihrem Beitrag kritisch darauf hin, dass insgesamt Evaluationsbemühungen zum Themenkomplex Beratung noch in den Anfängen stecken. Deshalb werden die Möglichkeiten einer gezielten und systematischen Nutzung dieser Funktion für die Planung und Ausgestaltung von Hilfen noch zu wenig beachtet.

 

Dr. Rudolf Sanders