Pressemitteilung des German Network for Mental Health (GNMH)

http://www.gnmh.de

E-Mail: gnmh@gnmh.de

 

World Mental Health Day

Die Beziehung zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit:

Gemeinsam auftretende Störungen

10. Oktober 2004

www.wmhday.net

 

 

Der alljährliche World Mental Health Day findet auch dieses Jahr wieder am 10. Oktober statt. Dabei wird die Gesundheit des Menschen als ganzheitlicher Zusammenhang zwischen körperlicher und seelischer Verfassung in den Mittelpunkt gerückt. Initiatorin ist auch diesmal die World Federation for Mental Health (WFMH), die eng mit der World Health Organisation (WHO), UNESCO und anderen wichtigen transnationalen Organisationen kooperiert.

Über 150 Mitgliedsländer der WFMH werden am 10. Oktober mit verschiedenen Aktionen auf das diesjährige Thema aufmerksam machen. Erklärtes Ziel all dieser Organisationen, auch des Deutschen Netzwerks für Psychische Gesundheit (German Network for Mental Health  - GNMH), ist es, die künstliche und längst überholte Trennung von körperlicher und seelischer Gesundheit zu überwinden sowie einen übergreifenden und nachhaltigen Gesundheitsbegriff im Bewusstsein und in den Gesundheitssystemen zu verankern. Auch alle Bürgerinnen und Bürger, Politikerinnen und Politiker, Medien, Verbände und psychosoziale bzw. medizinische Dienste sind an diesem Tage aufgerufen, Aktionen durchzuführen, die dem Verständnis und der praktischen Umsetzung eines ganzheitlichen Gesundheitsbegriffs dienen.

 

 

In jüngsten Studien ist wiederum ein enger Zusammenhang zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen nachgewiesen. Zivilisationskrankheiten der entwickelten Länder (wie Depression und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) stehen heute schon an erster Stelle in bezug auf Mortalitätsraten und dauerhaften Behinderungen. Diese weit verbreiteten Erkrankungen lassen sich nicht isoliert voneinander betrachten und behandeln! Vielmehr beeinflussen sie sich wechselseitig in Entstehung, Verlauf, Schweregrad und Dauer der Erkrankung. Weitere körperliche Erkrankungen, bei denen ein enger Zusammenhang zu psychischen Störungen nachgewiesen werden konnte, sind z. B: Diabetes, Krebserkrankungen und HIV/AIDS. Zugleich zeigt sich in verschiedenen Studien, dass die Behandlung psychischer Probleme sehr oft von einer Verbesserung des körperlichen Gesundheitszustands begleitet wird und umgekehrt.

 

Nach Auffassung der World Mental Health Federation und auch von uns, dem Deutschen Netzwerk für Psychische Gesundheit (German Network for Mental Health) ist diesen Erkenntnissen bei notwendigen Reformen der psychosozialen Versorgungssysteme verstärkt Rechnung zu tragen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind umgehend in bestehende Präventionsprogramme, Behandlungsmethoden und vor allem in den Praxis- und Klinikalltag umzusetzen. Effektivität und Nachhaltigkeit in der Behandlung psychischer und physischer Erkrankungen (sowohl im gesundheitlichen als auch im wirtschaftlichen Sinne) lassen sich nur auf diese Weise erlangen!

 

 

 

 

Die Beziehung zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Gesundheit als Zustand körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen. Um Gesundheit insgesamt zu erhalten darf keine ihrer Komponenten vernachlässigt werden, da sie stark miteinander zusammenhängen und sich gegenseitig bedingen: Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Krebserkrankungen erleben häufig zusätzlich emotionale und psychische Störungen, die nicht angemessen erkannt und behandelt werden. Ebenso häufig finden sich undiagnostizierte körperliche Erkrankungen bei Menschen mit psychischen Störungen wie z. B. Schizophrenie, Depression oder Angststörungen. Um seelische Gesundheit in unser allgemeines Gesundheitssystem zu integrieren ist es daher immens wichtig, dass die dort tätigen HelferInnen das Wissen, die Fertigkeiten und die Bereitschaft haben, mit psychisch gestörten Menschen zu arbeiten, Anzeichen psychischer Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen sowie die emotionale und seelische Befindlichkeit des Patienten bei der medizinischen Behandlung einer „körperlichen“ Erkrankung niemals außer acht zu lassen.

 

Diabetes und psychische Erkrankungen

171 Millionen Menschen leiden weltweit an Diabetes und dies mit enorm steigender Tendenz (in 2030 werden 366 Millionen erwartet). Die emotionalen und sozialen Folgen dieser Krankheit werden häufig unterschätzt. Menschen, die an Diabetes erkranken, haben beispielsweise ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, an Angststörungen und Depression zu erkranken. Dabei ist es völlig falsch, Depressionen und Angstzustände als harmlose Folgen chronischer/ lebensbedrohlicher Krankheiten anzusehen. Diese Störungen müssen erkannt und behandelt werden, da sie den Patienten viel an Kraft, Disziplin und Durchhaltevermögen nehmen: Diese aber brauchen sie, um die Krankheit zu bekämpfen und die täglichen Routinen, wie z.B. regelmäßige Blutzuckertests und Insulingaben, beizubehalten.

Menschen, die an Diabetes erkranken, haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, an Angststörungen und Depression zu erkranken.

Andererseits können viele psychische Störungen, z. B. aufgrund von Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente, zu einem erhöhten Risiko führen, an Diabetes zu erkranken. Deshalb ist auch im psychiatrischen Umfeld eine grundlegende Gesundheitsvorsorge vonnöten.

 

Krebs und psychische Erkrankungen

Die Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen kann zu Depressionen und Angstzuständen mit tief greifenden Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden der erkrankten Person führen. Wird dies nicht erkannt und behandelt, so ergeben sich zahlreiche negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf: Das Immunsystem wird geschwächt und der Körper kann sich infolgedessen weniger gut gegen die Krankheit zur Wehr setzen. Studien zeigen, dass an Brustkrebs erkrankte Frauen, die an wöchentlichen Therapiesitzungen teilnahmen, ungefähr doppelt so lange lebten wie Frauen, die nicht an unterstützender Gruppentherapie teilnahmen. In einer anderen Studie zeigte sich entsprechend, dass über sechs Jahre unbehandelte Depressionen in der untersuchten Stichprobe zu einem um 88 % erhöhten Krebsrisiko führten.

25 % aller Krebskranken leiden an Depressionen, hiervon erfahren jedoch lediglich 2 % angemessene Hilfe.

Die Behandlung von Depressionen und Angstzuständen krebskranker Patienten lindern also nicht nur Symptome wie Schmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen und Erschöpfungszustände lindern, sondern sie tragen zu einer längeren Lebensdauer und höheren Lebensqualität bei. Auf diesem Hintergrund ist die Tatsache umso alarmierender, dass zwar 25 % aller Krebskranken an Depressionen leiden, hiervon jedoch lediglich 2 % angemessene Hilfe erfahren.

Soziale und emotionale Unterstützung sind für den ganzheitlichen Heilungsprozess unabdingbar. Sowohl Hilfen bei notwendigen Bewältigungsprozessen, als auch Hilfen zur Aufrechterhaltung gesundheitsförderlichen Verhaltens (z.B. Diät, Bewegung, Verzicht auf Drogen) sind notwendig. Diese Tatsache muss in unseren Kliniken zukünftig weitaus mehr Beachtung finden.

 

Herz- und Gefäßkrankheiten und psychischen Erkrankungen

 

Mentaler Stress, Angstzustände und Depressionen führen zu einem erhöhten Sauerstoffverbrauch im Blut, erhöhtem Blutdruck und erhöhter Herzfrequenz. Dies sind einige Aspekte, die dazu führen mögen, dass Depressionen das Risiko, am Herzen zu erkranken, um 70 Prozent erhöhen. Weiterhin leidet eine von zwei Personen mit einer Herzerkrankung auch an Depressionen. Diese Erkrankungen bedingen einander wechselseitig. Je stärker die gesundheitliche Beeinträchtigung, desto höher auch das Risiko, an einer Depression zu erkranken, und umgekehrt. Dieser Teufelskreis lässt sich nur durchbrechen, wenn psychische und körperliche Erkrankung gleichermaßen behandelt und erkannt werden.

Mentaler Stress, Angstzustände und Depressionen führen zu einem 70% höheren Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden.

Die Vorbeugung und Behandlung von Depression und Angstzuständen hat einen ähnlich positiven Effekt wie gesunde Ernährung, ausreichend körperliche Bewegung und die Aufgabe des Rauchens. Es ist daher besonders wichtig, dass Ärzte und Pflegepersonal auch psychologisch- diagnostische Kenntnisse besitzen und dahingehend sensibilisiert sind. Wie die WHO festgestellt hat, ist jede dritte Person, die in einer allgemeinärztlichen Praxis vorstellig wird, psychisch beeinträchtigt. Auch diese Tatsache zeigt, wie groß die Bedeutung allgemeiner medizinischer Grundversorgung als Basis für psychologische und psychiatrische Gesundheitsversorgung ist. Diese kann nur durch eine optimale Kooperation aller beteiligten Personen und Institutionen gewährleistet werden.

 

HIV/AIDS und psychische Erkrankungen

Ebenso wie andere lebensbedrohliche Krankheiten führt auch HIV/AIDS zu einer erhöhten Auftretenswahrscheinlichkeit psychischer Störungen. Treten sie in diesem Zusammenhang auf, so sind sie in jedem Fall behandlungswürdig, da sie ansonsten die Entwicklung von HIV zu AIDS beschleunigen und den Verlauf der Krankheit negativ beeinflussen können. HIV/AIDS erfordert vom Patienten eine hohe Bereitschaft, bei der Behandlung mitzuwirken, sich an die komplizierte und belastende Medikation zu halten. Seelische Gesundheit und Lebensmut sind also kein zusätzlicher Luxus, sondern sind Bedingung für eine effektive und somit auch kostengünstige Behandlung.

Die Hälfte der HIV/AIDS-Erkrankten haben insbesondere in den afrikanischen Ländern auch eine psychische Störung

Nicht zuletzt ist auch die Kinder und Angehörigen der Erkrankten zu denken, die durch diese Belastung auch psychisch erkranken können.

 

Weitere Zusammenhänge

Durch psychosoziale Maßnahmen (Unterstützungsgruppen, Selbsthypnose, Entspannungstraining, Psychotherapie) lassen sich nachweislich Infertilität, Gefahr frühzeitiger Geburt, Infektionshäufigkeiten (z.B. Herpes Genitalis), sowie somatoforme Störungen (körperliche Erkrankungen ohne erkennbare körperliche Ursachen) günstig beeinflussen.

 

 

 

Notwendige Schritte

Um dem engen Zusammenhang zwischen körperlichen und seelischen Erkrankungen gerecht zu werden, sind in der Bundesrepublik Deutschland eine Reihe von Maßnahmen notwendig:

  1. Zunächst sind sowohl die allgemeine Öffentlichkeit, als auch die Fachöffentlichkeit über den engen Zusammenhang zwischen körperlichen und seelischen Erkrankungen vermehrt zu informieren. Diese Aufgabe sollte allen politischen Instanzen, Organisationen wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, aber auch verschiedenen Fachverbänden ein sehr wichtiges Anliegen sein.
  2. Im Zusammenhang mit dem geplanten Präventionsgesetz ist die Politik gefordert, der Vermeidung psychischer Erkrankungen einen besonderen Platz einzuräumen, da diese in einem engen Zusammenhang zu körperlichen Erkrankungen stehen.
  3. Strukturell sind daher alle Versorgungseinrichtungen dafür zu qualifizieren, psychische Anteile körperlicher Erkrankungen (und auch umgekehrt) besser zu erkennen und angemessenen Behandlungen zuzuführen. Dies gilt vor allem für die Primärversorgung durch niedergelassene Ärzte, sowie für ambulante Dienste im nicht-medizinischen Sektor.
  4. Präventionsmaßnahmen zur Erhaltung von körperlicher und seelischer Gesundheit sind eng miteinander zu verzahnen: Wenn es um gesunde Lebensformen wie Bewegung, Ernährung oder Nichtrauchen geht, dann muss der Blick auch immer auf die Vermeidung psychischer Erkrankungen ausgerichtet sein. Es fehlt nicht an hierfür geeigneten und erprobten Maßnahmen. Auf der anderen Seite sollten Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit in Zukunft mehr das körperliche Wohlbefinden im Auge haben.

 

 

Einige wichtige Adressen:

 

Alle weiteren Informationen zum World Mental Health Day 2004 sind auf der Homepage www.wmhday.net zugänglich.

 

 

German Network for Mental Health (GNMH)

http://www.gnmh.de

E-Mail: gnmh@gnmh.de

 

 

Internationale Adressen

 

World Federation for Mental Health: http://www.wfmh.org

 

 

Adressen zur Thematik

Herz-Kreislaufererkrankungen

www.neuro24.de/d9.htm

http://community.netdoktor.com/ccs/de/depression/facts/what_is_depression/article.jsp?articleIdent=de.depression.facts.what_is_depression.de_depression_article_12744

http://www.nimh.nih.gov/publicat/depheart.cfm

http://www.nimh.nih.gov/publicat/heartbreak.cfm

http://www.mental-health-matters.com/articles/article.php?artID=319

 

 

Diabetes

http://www.nimh.nih.gov/publicat/depdiabetes.cfm

http://www.diabetes-news.de/news/nachrichten/pm020610.htm

http://wwwdiabetes.about.com/library/blnews/blnantipsychotics503.htm

http://www.lifescan.com/care/rubin/articles/depression

 

 

Krebs

http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/supportivecare/adjustment/healthprofessional

http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/supportivecare/post-traumatic-stress/HealthProfessional/page3

http://www.nimh.nih.gov/publicat/depcancer.cfm

http://www.nlm.nih.gov/pubs/cbm/cancersympoms.pdf

 

 

AIDS/HIV

http://www.mentalhealth.org/publications/allpubs/fastfact4/default.asp

http://www.nimh.nih.gov/publicat/dephiv.cfm

 

 

Depression

http://www.nimh.nih.gov/research/pittsburghhrpt.cfm

 

Versorgung

www.neurologicalprimarycare.org

www.surgeongeneral.gov/library/mentalhealthservices/mentalhealthservices.html