Weihnachtsgeschenke
sind Beziehungsgeschenke
Warum Schenken oft so schwer ist
Weihnachtsgeschenke sind gegenseitige Geschenke und drücken immer etwas
über die seelische Beziehung zwischen Geber und Nehmer aus – das macht das
Schenken oft so schwer. Nur wer über seine Beziehung zu dem Menschen nachdenkt,
den er beschenken möchte, kann Stress, Unmut und Peinlichkeiten vermeiden. Die Gesellschaft für
wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG), mit rund 4000 Mitgliedern der größte Fachverband
für Psychotherapie und Beratung in Europa, hat psychologische Tipps zum
Schenken erarbeitet.
„Gutes Schenken setzt
immer aufmerksame Beziehungsarbeit voraus“, sagt Hildegard Belardi, Psychotherapeutin
und Mitglied der GwG. „Nur wer sicher weiß, wie nah oder wie distanziert die
Beziehung zum Beschenkten ist, der kann auch ohne Stress Geschenke finden, die
tatsächlich erfreuen. Wer sich über die Beziehung unsicher sei, solle auf
„lebensqualitätssteigernde“, neutrale Geschenke ausweichen (s.u.). „Dies ist
die bessere Alternative zu einem Geschenk, das voll daneben liegt.“
Dass es in der Bewertung
von Beziehungen unterschiedliche Einschätzungen gibt, mache das weihnachtliche
Schenken zu einem aufwändigen gedanklichen Vorgang. Etwas einmaliges kommt
hinzu: „Weihnachten das einzige Fest, an dem gleichzeitig geschenkt und
beschenkt wird, also Geschenke im Grunde genommen getauscht werden.“ Geschenke
müssten deshalb also nicht nur zu der jeweiligen Beziehung passen, sondern auch
noch in irgendeiner Form gleichwertig sein. „An Weihnachten“, so die
Gesprächspsychotherapeutin, „geht es weniger um das Geschenk an sich als um die
Stimmigkeit der Beziehung, die das Geschenk letztlich ausdrückt. Passt alles
zusammen, bewirken Geschenk und Gegengeschenk Freude und Harmonie. Eben jene
Stimmungen, an die an Weihnachten ganz besonders hohe Ansprüche gestellt
werden. Gerade die riesigen Erwartungen machen die vorweihnachtliche Zeit
häufig zur großen Anstrengung: Oft müssen mehrere Menschen gleichzeitig passend
beschenkt und mehrere Beziehungen gleichzeitigt betrachtet werden. Bei all dem muss man das eigene
Budget berücksichtigen.
Stressabbau: Wissen worum
es geht
„Wenn man sich klar macht,
worum es beim weihnachtlichen Schenken eigentlich geht, nämlich dass
nicht die Geschenke das Problem sind, sondern die vielfältigen Gefühle, über
die man sich zuvor klar werden muss, erleichtert das schon enorm“, sagt
Karl-Otto Hentze, GwG-Geschäftsführer und Diplompsychologe. In diesen
Überlegungen liegt der Schlüssel zum Stressabbau.“ Grundsätzlich gelten aus
psychologischer Sicht immer folgende Zusammenhänge: Je näher ein Geschenk am
Körper getragen wird desto enger muss die Beziehung sein. Deshalb sollte man
Parfumes, Kleider, Schmuck, Bettwäsche etc. tatsächlich nur sehr engstehenden
Menschen schenken. Pädagogische Geschenke kommen selten gut an. Auch bei zur
Gemeinsamkeit verpflichtenden Geschenken, wie Theaterkarten, sollte man genau
überlegen, ob sie erwünscht sind. Immer dann, wenn man sich über seine Gefühle
nicht klar wird, können Gegenstände ausgewählt werden, die der andere sich
nicht unbedingt selbst leistet: ein besonderer Wein, Champagner, Feinschmecker-Artikel.
Bei Kindern sollte grundsätzlich ein Geschenk – möglichst das Herzensgeschenk –
aus dem Wunschzettel erfüllt werden. Fehler lassen sich überdies vermeiden,
wenn die nachfolgenden Zusammenhänge beim Schenken berücksichtigt werden :